Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VI. 1908 - 5669 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
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2 er mich, ihm bei der Entzifferung und Verdeutschung einiger Stellen eines alten, in portugiesischer Sprache geschriebenen Gemeindebuches — einer der wenigen, vom Feuer verschonten Urkünden — behülflich zu sein, eine Mühe, der ich mich gern unterzog. Bei dieser Gelegenheit fand ich in jenem Buche so wertvolle Aufklärungen über die Verhältnisse der beiden hiesigen Gemeinden im 17teil Jahrhundert, dass ich mich entschloss, in meinen Müssestunden dieses Material in deutscher Sprache zu sammeln und dadurch der Allgemeinheit zugänglich zu machen, bevor die bereits stark vergilbte Schrift der alles zerstörenden Zeit zum Opfer fällt. Einzelne Teile meiner Arbeit wie auch manche meiner mündlichen Mitteilungen hat bereits Dr. Grunwald in seinem oben angeführten Werk mit vielem Geschick verwendet. Das Original ist in einem sehr eleganten Portugiesisch abgefasst (nur ausnahmsweise finden sich ein Mal Eintragungen in spanischer Sprache), wie es dem allgemein hohen Bildungsgrade der aus der iberischen Halbinsel eingewanderten Juden entsprach. Dagegen bleibt die Wiedergabe hebräischer Wörter oft nur eine annähernde, was nicht überraschen kann, wenn man bedenkt, dass in der portugiesischen Sprache die Kehllaute sowie das aspirierte h fehlen, auch überdies e und i, 0 und u, b und v vielfach ineinander übergehen. Um Weitschweifigkeit zu vermeiden, musste ich mich darauf beschränken, eine ausführliche Uebersetzung lediglich von denjenigen Eintragungen zu geben, welche wichtige Themata behandeln, während ich über alle anderen nur ihrem Inhalte nach kurz referiert habe. Wie man sehen wird, hatte der Mahamad1) (1־D>^=V0rstand) zu damaliger Zeit, wo die Gemeinde noch einen Staat im Staate *) Für die Orthographie des Portugiesischen gab es in früheren Jahrhunderten keine Norm; jeder schrieb, wie er es für richtig hielt. Diese Willkür erstreckte sich auch auf die Schreibweise der Eigennamen; so findet man Fonsequa und Fonseca. de Leäo und Leon, Abrabanel, Abarbanel und Abravanel u. s. w., was, nebenbei bemerkt, auch schon zu langwierigen Erb- Schaftsprozessen Anlass gegeben hat. Eine gleiche Inkonsequenz begegnet uns hier bei hebräischen Wörtern; wir finden z. B. bald medrasim und tebot, bald wieder midracim und tevot. Es sind dies vergebliche Versuche, die Aussprache des Hebräischen wiederzugeben, bei denen sich auch wohl der portugiesische Dialekt des jeweiligen Protokollführers geltend machte. Mit Rücksicht auf die dem Original geschuldete Treue habe ich überall die Schreibweise des Urtextes beibehalten.