Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VII. 1909 - 5670 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 437)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3486266-3486279--2930-3488850- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
377 Dass die Schneidemühler Glaubensbrüder verhältnismässig oft in Anspruch genommen wurden, liegt wohl daran, dass sie an der grossen Heerstrasse lagen. Im Nissan 1805 zahlte der Verein ״Ner Tamid“ in Czempin an eine Proselytin zwölf Groschen נ). Hier mag es sich am Ende um eine dort sesshafte Person gehandelt haben. Am 27. Nissan (21. April) 1811 wurde ein Knabe in Kernpen in den Abrahamsbund aufgenommen, der als Proselyt bezeichnet wird und den Namen Abraham erhielt * 2). Ob die daselbst am 10. Adar (15. Februar oder 17.März) 1837 verstorbene Rebekka Ginsberg, die Frau eines Veteranen aus den Freiheitskriegen, bereits zu polnischer Zeit ihren Ueber־ tritt zum Judentum vollzogen hat, muss stark angezweifelt werden. Ihr Grabstein3) rühmt ihre hohe Sittlichkeit, die Hochachtung, der sie sich zu erfreuen hatte, ihre guten Werke und ihren religiösen Lebenswandel. Das Seelengedächtnisbuch in Fordon4), dessen Eintragungen ins achtzehnte, vielleicht auch schon ins siebzehnte Jahrhundert5) zurückreichen und bis ins neunzehnte hinabgehen, gibt von zwei Frauen Kunde, die zum Judentum übergetreten waren. Ihre Namen waren Rahel und Sara. Sie werden hier als Töchter des Stammvaters Abraham bezeichnet, des Vaters aller Gotteserkenntnis. Alles andere verschweigen unsere Quellen. Wäre das freie Wort ihnen verstattet worden, sie hätten wohl von einer weit höheren Zahl von Proselyten Bericht gegeben. Ob diesen aber im Zeitalter der Aufklärung, aus dem wir von der überwiegenden Zahl der Übertritte hören, mehr Duldung widerfahren ist6), mag נ) Gesamtarchiv Dep. A. Liebes-Czempin S 2 b. 2) Handschrift Nr. 44 in meinem Besitze S. 35. 8) Kempener israelitischer Friedhof ältester Teil Nr. 442. 4) Es ist in zwei Exemplaren vorhanden. Das ältere, nach dem Brande, der um 1827 in F. wütete, geschrieben, befindet sich im Gesamtarchiv!Dep• Fordon Nr. t), das jüngere, eine Abschrift des älteren, ist 1870 niedergeschrieben worden. 6) Vgl. Kobez al Jad, Berlin 1903, XIX 37, 41, Heppner-Herzberg, Aus Vergangenheit und Gegenwart der Juden und der jüdischen Gemeinden in den Posener Landen, Koschmin-Bromfccrg 1906, S. 394. 6) Vgl. Neustadt, Josef Steblicki: Ein Proselyt unter Friedrich dem Grossen, Breslau 1894, S. Zilz, אהבת הגרים, Chrzanow 1907. ln der oben ge-