Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1910-01-01 · VII. 1909 - 5670 (1910) · page 428

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VII. 1909 - 5670 (1910)
Date
1910-01-01
Page
– (sequence 428)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3486266-3486279--2921-3488841
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

368 Darauf bemerken wir, dass es Verräter zu jeder Zeit gab; selbst Elischa ben Abuja, der während der hadrianischen Verfolgung lebte, wird im Jeruschalmi als Verräter bezeichnet; aber nie hat die Furcht vor Verrätern die Grossen Israels zurückgehalten, ihr Leben für die Thora einzusetzen. Siehe auch Aboda sara 18, wo uns von R. Jose ben Kisma und R. Chanina ben Teradjon berichtet wird, dass sie trotz der Gefahren es wagten, Thora zu verbreiten und öffentlich zu lehren (מקהיל קד״לות ברבים). In Wirklichkeit erlitt R. Chanina ben Teradjon dafür den Feuertod. Welche Beziehungen können überhaupt öffentliche Lehrversammlungen zu Verrätern haben! Verräter vermögen nur eine Rolle zu spielen bei מצרות, die man in Verborgenheit vornehmen kann, nicht aber bei Lehrversammlungen, an denen Hunderte teilnehmen und die in voller Oeffentlichkeit stattfinden; da gab es immer Häscher im Lande, welche es zu מסירת נפש machten, öffentlich eine Lehr- Versammlung abzuhalten. — Uebrigens handelt es sich an unserer Stelle gar nicht um dieses מסירת נפש während der Verfolgungen; es wird uns erzählt, was zu Beginn der antiochischen Verfolgungen dem Volke Israel verboten wurde, und darunter das Verbot der monatlichen Lehrversammlungen, die bisher ungestört stattfanden, erwähnt. Die Lehrversammlungen mussten aufhören und das wurde als ein besonderes grosses Unglück von Israel empfunden. Ehrentreu fährt fort: ״Ferner bliebe die Frage offen, warum an dieser Stelle nur die all- ,monatlichen und nicht auch die sabbathlichen Lehrversammlungen ״erwähnt werden, warum nicht gesagt wird, dass auch diese gestört ״wurden.“ Die Antwort liegt auf der Hand. Die sabbathlichen Lehrversammlungen fanden in der Regel im Anschluss an den Gottesdienst statt und nur die Ortsbewohner nahmen an diesen Versammlungen teil; eine Beteiligung von Auswärtigen war des Sabbaths wegen ausgeschlossen. Anders bei den Lehrversammlungen am ר״ח; aus der nahen und weiten Umgebung strömte das Volk in den Städten zusammen, um sich Belehrung zu holen, und diese Versammlungen wurden für den Kern der Thoraverbreitung gehalten. Man empfand daher das Verbot dieser grossen Monatsversammlungen als besonders drückend und erwähnte es ganz beson ders, trotzdem auch alle anderen Lehrzusammenkünfte verboten waren.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.