Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VII. 1909 - 5670 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 424)
- Language
- German
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364 ten ist. Darum bemüht er sich auch so oft, diese Regeln hervorzuheben und den nach der wahren Erkenntnis des Bibelsinnes strebenden Leser auf diese ״Wege der Schrift“ zu leiten. Es ist merkwüdig, dass, während die Schule der Tosafisten zum Talmud eine mehrere Generationen hindurch stetige und in demselben Geiste wirkende gewesen ist, die Erklärungsweise Karas wohl ganz vereinzelt dasteht, denn die sogenannten Tosafot zum Pentateuch bewegen sich in anderem Geleise; sie suchen wohl die Schrift eingehend zu deuten, entbehren aber der Methodik Karas. Die aus der Eigentümlichkeit Karas sich ergebende Auffassung der Bibel als Schriftwerk ist nun insofern interessant, als sie sich zunächst scheinbar schwer vereinigen lässt mit der auch bei ihm festzustellenden Ehrfurcht vor der heiligen Schrift, aus welcher der göttliche Geist spricht. Wir können aber dabei sehen, dass eine rationelle Erklärung der Bibel und eine Anerkennung von deren Integrität1), Hoheit und Verpflichtung für uns wohl Hand in Hand gehen können, und wir haben hier einen Beweis dafür, dass gerade auch bei den Vertretern der Tradition eine »Verknöcherung״ und »ein Opfer des Intellects״ niemals nötig war. Sowie z. B. ein Gelehrter im Talmud (Baba Bathra 15 a) behaupten durfte, dass es einen Ijob in Wirklichkeit nicht gegeben, so kann es auch beurteilt werden, wenn Joseph Kara in unserem Kommentar der Ansicht des Talmuds über die Abfassung des Samuel-Buches 2) die seinige entgegengestellt, dass das Buch Samuel nicht von diesem Propheten selbst niedergeschrieben worden sei 3). Von bemerkenswerteren Erklärungen aus diesem Commentar heben wir hervor: Die Ausführungen zu 1, 17, wo er die Ansicht der »blinden Erklärer״ abweist, יתן als Bitte aufzufassen, während der Zusammenhang gebieterisch fordert, es als sichere Voraussage anzunehmen. 2,3) כי אל דעות ה״) erklärt Kara, mit richtiger Beziehung auf die von Gott ausgehende Schicksalsbestimmung, derart, dass Gott allein weiss, wer zu erhöhen und wer zu erniedrigen ist. Wir verweisen ferner auf die Ausführungen betreff הרואה zu 9, 9. Be״ י) Vgl. die Worte Karas zu 1,17 (S. 4 Z. 1) חורה תמימה ניתנה תמימה נכתבה. *) Vgl. Bablf a. a. O.: .שמואל כתב ספדו ״) Vgl. die Ausführungen S» 15.