Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VII. 1909 - 5670 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 396)
- Language
- German
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336 wie auch die Versetzung der Schüler nach der höheren Classe und ihre Einreihung in die Gelehrtenkollegien ab1). Die zweite Seite der Tätigkeit der Geonim bestand darin, dass sie alle an sie gelangenden Anfragen über die praktische Anwendung der im Talmud niedergelegten Dinim und Halachoth beantworteten. Es war diese Tätigkeit eine weitausgebreitete und erstreckte sich auf einen grossen Teil der von Juden bewohnten Länder, der noch grösser werden sollte, als die Mohammedaner Land auf Land, Erdteil auf Erdteil ihrem Glauben unterwarfen und die vielfachen neuen Beziehungen zu bisher fernen Ländern den Verkehr bedeutend erleichterten. Der grösste Teil der zerstreut lebenden Judenheit ist, wenn auch der Talmud zu ihm gedrungen war, doch nicht so weit in demselben heimisch gewesen, um aus den talmudischen Verhandlungen die sachgemüsse Anwendung entnehmen zu können. Und auch von solchen Gemeinden, wo man dem Studium der Thora eine Stätte errichtet hatte, wo schon zur Zeit der Geonim Jescbiboth bestanden, auch von da wandte man sich immer noch an die Akademien, die als die Centrale alles jüdischen Lebens betrachtet wurden. Diese aussergaonäischen Schulen, wie auch die Männer, die an der Spitze dieser Schulen standen, sie alle wandten sich an die Geonira, wenn ihnen eine Talmudstelle nicht klar genug war, um ihren Gemeinden und Schülern die im Talmud erläuterte Gesetzesvorschrift zu lehren. Und von hier ist ihnen auch immer Belehrung geworden. Dieser Teil der gaonäischen Wirksamkeit griff bereits in die dritte Seite ihrer Bedeutung und ihrer Wirksamkeit ein. Sie haben, da sie an der Quelle sassen, aus welcher die Weisheit vieler Jahrhunderte geflossen ist, um die richtige Auslegung schwieriger Talmudstellen gewusst, welche Sache der Ueberlieferung waren. Diese Auslegungen sind der Gegenstand eingehender Beschäftigung für die Hunderte von Gelehrten, Lehrern und Schülern geblieben. Noch leichter dürfte sich unter den Schalmitgliedern bis in die spätesten Phasen des Gaonats die Halacha-Anwendung in einzelnen schwierigen Fällen erhalten haben und sind daher *) Ueber die innere Organisation der Akademien und ihre Competenzen und Gerechtsame soll später gesprochen werden.