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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1910-01-01 · VII. 1909 - 5670 (1910) · page 395

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VII. 1909 - 5670 (1910)
Date
1910-01-01
Page
– (sequence 395)
Language
German
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335 Tätigkeit der nach einem Interregnum von über 30 Jahren wiedereröffneten Schulen musste nun eine ganz andere werden1). Die Tätigkeit der Geonim in diesen neueröffneten Je$chiboth richtete sich nach drei Seiten hin. In erster Reihe bestand das Wirken des Gaonats darin, dass von ihm die Förderung des Talmudstudiums, der Antrieb zur Beschäftigung mit der Thora ausging. Auf das Bestreben, das Thorastudium intensiv za gestalten, ist auch das Moment zurückzuführen, dass man von Seiten des Gaonats nicht, wie es später geschah, die C0difi2ierung des im Talmud enthaltenen Gesetzes anbahnte» Man wollte eben des Talmuds nicht entraten, man wollte die religiöse Praxis von dem Studium des Talmuds abhängig machen. Man sollte im Talmud forschen, um die religiösen Gebote nach Vorschrift ausüben zu können; man forschte aber auch im Talmud, weil sein Studium jüdische Denkweise und jüdische Lebensanschauung am besten förderte. Es war dies das Hauptbestreben und die Hauptaufgabe, die sich das Gaonat gestellt hatte. Es wurde nicht bloss, wie zur Zeit der Amoräer, in Sura und Pumbeditha gelernt und gelehrt, sondern die beiden Städte bildeten auch den Mittelpunkt, von welchem der Thoraunterricht nach den Peripherien geleitet wurde. Sura und Pumbeditha waren gleichsam die Centralpunkte, von welchen der Unterricht ausging, von wo er geleitet und überwacht wurde; die beiden Schulen waren die Leuchttürme, nach welchen die kleineren Lehrhäuser ihren Curs richteten, wie sie denn auch zu Ende jedes Semesters den Leitern der beiden Hochschulen von ihrem Tun und von den Fortschritten ihrer Schüler Rechenschaft ablegen mussten. Es bestand eine straffe Organisation hinsichtlich des Unterrichts, indem die Jünger der beiden Hochschulen wie auch der kleineren Provinzschulen fünf Monate hindurch lernten, um sich dann im sechsten Monat einer Prüfung zu unterziehen und um, soweit sie eben vermochten, die im sechsten Monate stattfindenden Vorlesungen an den Hochschulen anhören zu können. Von dem Erfolge der Prüfung hing auch die Dotierung der einzelnen Schulen durch die Centralkasse l) Mit den Geonim begann nun diejenige Tätigkeit, die Rapoport (Siehe Anm. S. 334) als integrierenden Teil der saburäischen Wirksamkeit hinstellt.

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