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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1910-01-01 · VII. 1909 - 5670 (1910) · page 393

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VII. 1909 - 5670 (1910)
Date
1910-01-01
Page
– (sequence 393)
Language
German
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833 eine Aenderung eingetreten zu sein. Noch während der Kämpfe Horraizdas* um seinen Thron scheint sich die Lage der Juden gebessert zu haben, da er sich nunmehr um religiöse Dinge nicht kümmern konnte. Bahram Tschubin aber, der endlich den König verdrängte und sich selber auf den Thron schwang, konnte sich, wenn er sich behaupten wollte, gewiss nicht mit religiösen Verfolgungen abgeben. Er musste vielmehr darauf bedacht sein, sieb in der Bevölkerung einen Anhang zu verschaffen und durfte es mit keinem Teile derselben verderben. Auch absorbierte der Krieg das ganze Tun und Schaffen der Parteien so sehr, dass er für die ausserhalb der Parteien stehenden Juden eine Periode der relativen Ruhe und Erholung von den vieljährigen Verfolgungen bedeutete. Und es ist für die sittliche Kraft der babylonischen Juden bezeichnend; dass dieser kurze Zeitraum der relativen Ruhe in erster Reihe dazu benutzt ward, die geschlossenen Schulen wieder zu eröffnen und das Studium des Gesetzes wieder auf die Höhe zu bringen. R. Chanan aus Iskija war es, der die Schule von Pumbeditha wieder eröffnete und damit auch wieder den babylonischen Juden den altgewohnten Mittelpunkt schuf, der zugleich auch in noch grösserem Maasse als bisher der religiöse Mittelpunkt eines grossen Teiles der Diaspora, werden sollte 1). Die Akademie zu Pumbeditha erhielt ihrer äusseren Gestaltung nach das alte Gepräge von ehedem, das sie zurZeit ihres fruheren Bestehens hatte. Die Schule bildete nach wie vor die Stätte, von wo die Belehrung sowohl wie auch die Rechtsprechung ausging. Sind es früher die רישי מתיבתא gewesen, so waren es von jetzt an die Geonim, die in den ihnen zugehörigen Sprengeln die religiöse Belehrung wie auch die Jurisdiktion ausübten. Ebenso verhielt es sich mit den anderweitigen Agenden, die in den Wirkungskreis der Schulen und ihrer Leiter gehörten, wozu in erster Reihe auch die Aufsicht und die Leitung des öffentlichen Unterrichts gehörten. Im grossen und ganzen hatten die Schul- *) Der Umstand, dass der erste günstige Augenblick gleich dazu benutzt worden ist, die pumbedithanische Schule wieder aufzurichten, lässt übrigens auch darauf schliessen, dass die Akademie vorher schon im Besitze von gewissen Privilegien gewesen und sie ihnen nicht erst, wie Graetz meint, durch Ali erteilt worden sind. (Siehe Note 1.)

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