Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VII. 1909 - 5670 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 387)
- Language
- German
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327 bewog ihn, das nehardeanische Gebiet, in welchem durch Samuel für die Lehre gesorgt war, zu verlassen und eine andere Gegend aufzusuchen, wo sich seinem Wirken noch ein weites Gebiet der Betätigung bieten sollte. Er begab sich nach einem Landstriche, woselbst die Bevölkerung in Unkenntnis der elementarsten Be- Stimmungen des Gesetzes gewesen. Er erwählte dann die Stadt Sura — auch Mata Machasia genannt —, die in einer solchen Gegend lag, zum Sitze der neuen Schule1). Diese Schule, von welcher acht Jahrhunderte hindurch das Wort Gottes ausging, sollte bald nach ihrer Begründung eine Bedeutung erlangen, die sie an die erste Stelle der babylonischen מתיבתות rückte. Selbst Samuel, der vor Rabs Ankunft die erste Stelle eingenommen, trat, diesem den Vorrang überlassend, bescheiden zurück. Sura ward der Mittelpunkt des Thora-Studiums in der Diaspora, von Sura ging nunmehr die religiöse Leitung eines grossen Teiles der Judenheit aus und bis hach Palästina erstreckte sich der Einfluss der Schule und ihres Leiters (Chulin 35). Diesen Vorrang konnte die מתיבתא jedoch nur so lange behaupten, als ihr Begründer Rab lebte. Mit dessen Tod ging die Leitung der Schulen auf Samuel, der übrigens in Nehardea verblieb, über. Wie früher an Rab, so wandte man sich nun von Babylonien und auch von Palästina an Samuel. Nach Samuels Ableben, das sieben Jahre nach der Ankunft Rabs erfolgte, suchte R. Nachman die Methiwtha in Nehardea fortzusetzen, während andere Schüler Rabs in anderen Städten Schulen errichteten, so R. Juda in Pumbeditha und R. Schescheth in Schelhi. Den Vorrang aber behauptet einer der ältesten Schüler Rabs, der dazu der Familie *) Funk (Geschichte der Juden in Babylonien 1,44 ff) meint, dass Rab die Leitung der alten Schule in Nehardea, die ihm nach dem Tode R. Schilas angeboten wurde, deshalb nicht annehmen wollte, weil er sich nicht unter die Botmässigkeit des zu Nehardea residierenden Exilarchen (דיש גלזתא) begeben wollte. Er verlegte daher den Schauplatz seiner Tätigkeit nach einem Orte, wo er einerseits der Autorisation des Exilarchen entraten konnte, wie auch sonst nicht von ihm abhing. Die Gründung der suranischen Akademie fällt nämlieh, wie Funk meint, in das letzte Jahrzehnt der parthischen Orsacydendynastie, da das Land unter den Brüdern Artaban IV. und Vologases V. geteilt war. Nun erstreckte sich die Botmässigkeit des דיש בלזתא nicht über den Machtkreis seines Landesherrn Vologases, Sura aber lag in dem Gebiete Artabans.