Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VII. 1909 - 5670 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 380)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3486266-3486279--2873-3488793- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
320 jetzt die Entweihung des Sabbats zu gestatten. Er erklärt deshalb, dass diese von der Thora dem Grossjährigen angedrohte Strafe als Beweis dient, dass schon vom achten Tage an bei Unterlassung der Beschneidung von Seiten des Vaters das Kind in Lebensgefahr schwebe, wie dies die Begebenheit beim Sohne Moses’ zeigte. Zwar trägt das Kind keine Schuld, aber es stirbt wegen der Schuld des Vaters. Vgl. Midrasch Tannaim S. 100 (zu Deut. 24,16), wo ebenfalls gesagt wird, dass Kinder im minderjährigen Alter nur wegen der Sünden der Eltern sterben (vgl. Sabbat 32 b). So geistreich die Erklärung des R. Chananel scheint, so wenig wird man davon in der Tosefta finden, die gerade das Hauptargument vom Sohne des Moses nicht einmal andeutet. Vgl. auch Nedarhn 32a die Meinungsverschiedenheit, auf wen sich das ויבקש המיתר in Exod. 4, 24 bezieht. Der einfache Sinn der Worte des R. Eleasar b. Asarja ist gewiss der, dass durch die מילה nur ein Glied des Menschen vervollkommnet (מתוקן) wird, während es bei פקוח נפש sich um die Erhaltung des ganzen Menschen handelt. Der oben eingeklammerte Satz ,מפני מה ופו ist ein späterer Zusatz, der nicht von R. Eleasar b. Asarja herrührt. Um so auffälliger ist es, warum später diese Interpolation gemacht wurde. Ich vermute folgenden Grund. Die Juden-Christen haben sich auch dann Heilungen am Sabbat erlaubt, wenn die Krankheit nicht lebensgefährlich war, und haben dem Stifter ihrer Religion eine Schlussfolgerung in den Mund gelegt, die der des R. Eleasar b. Asarja sehr ähnlieh ist: ״Wenn ein Mensch die Beschneidung annimmt am Sabbat, damit nicht das Gesetz Moses’ gebro eben werde; zürnet ihr denn über mich, dass ich den ganzen Menschen am Sabbat gesund machte?“ (Joh.7, 23). Scheinbar könnte man also auch nach dem Ausspruche des R. Eleasar b. Asarja in den Irrtum geraten, dass man jede Heilung des ganzen Menschen am Sabbat vornehmen dürfe. Allein bei näherer Betrachtung ist die Schlussfolgerung für Krankheiten, die nicht das Leben eines Mensehen gefährden, eine falsche. Wohl handelt es sich bei מילה um ein אבר des Menschen, dies bedeutet aber die Vervollkommnung des ganzen Menschen (התהלך לפני והיה תמים). Diese Vervollkommnung ist nach dem Gottesgesetze so wichtig wie die Rettung des menschlichen Lebens. Beweis dafür ist, dass die Unterlassung