Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VII. 1909 - 5670 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 373)
- Language
- German
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- Rashi 1× ep/2781487
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313 wiesen, wie in Ketubot 12a die Correktur כל שנהג statt בל שלא נהג für unstatthaft erklärt wird. Und in der Tat, nach dem, was wir oben in Nr. 3 über die תנאי, welche die Mischna im Gedächtnisse aufbewahrten, ausgeführt haben, erklärt sich das Sachverhältnis hier ganz einfach. Dieser תנא (nicht der Mischnalehrer) hatte den Satz in der Mischna ausfallen lassen (nach Abaje wohl aus Vergessenheit, wodurch er auch das Wort לא wegliess). Der Talmud stellt den richtigen Wortlaut wieder her. Aber die תנאיי nehmen ihn nicht in die Mischna auf (לא קבעוה תנאי, Sebachim 114 b), weil sie Grund hatten, dies zu verheimlichen. 10) Es sei dem, wie es wolle, so viel steht fest, dass manchmal in Mischna nnd Baraita Worte ausgefallen sind. Für die Baraita findet man ein lehrreiches Beispiel in Jebaraot 90 a, wo gelehrt wird (nach einer Tosefta): אבל תרומה ממאה משלם [בל דהוא אבל תרומה טהורה משלם] חולין טהורין וכר♦ Die eingeklammerten Worte sind durch das Homoioteleuton1) anfangs ausgefallen und werden vom Talmud mit הסורי מיהסרא wiederhergestellt. So sagt Raschi auch in Baba mezia 114b v. ורבא, dass da ein Homoioteleuton vorliegt: ושבה (התנא) וחיסר ודילג מחייב להחזיר באינו חייב להחזיר. Der Tanna ist hier natürlich derjenige, der die Baraita im Gedächtnisse zu bewahren hatte. In diesen beiden angeführten Beispielen hat uns der Talmud auf den Defekt aufmerksam gemacht. Es sei aber hier noch ein drittes Beispiel beigebracht, wo der Talmud dies nicht anmerkt, weil er es nicht für notwendig erachtet. In einer Tosefta Gittin 2, 7-8 heisst es: בתב סופר לשמה וחתמו עדים לשמה אף על פי שכתבוהו וחתמוהו ונתנוהו לו ונתנו לה פסול [עד שיאמר לסופר כתוב ולעדים חתומו ולא עוד אלא אפילו כתב בכתב ידו לסופר כתוב ולעדים חתומו אף על פי שכתבוהו וחתמוהו ונתנוהו לו ונתנו לה פסול] עד שישמעו קולו אומר לסופר כתוב ולעדים התומו. Die eingeklammerten Worte hat der referierende Tanna in Babylonien infolge des Homoioteleutons ausfallen lassen. Dadurch war der Talmud in Gittin 72 a genötigt, das, was in der Tosefta ausdrücklich steht, nämlich dass ein schriftlicher Auftrag beim גט nicht genügt, erst aus dem Worte קולו zu folgern. Der Talmud bemüht sich hier nicht, den ursprünglichen Wortlaut her- *) Solche Homoioteleuta kommen bei den הסודי מיהסרא der Mischna sehr oft vor, vgl. z. B. Sebachim 97 a und Menachot 50a.