Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VII. 1909 - 5670 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 370)
- Language
- German
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810 Hier bleibt jeder Verständige stille stehen und fragt: 1) Warum gibt der Talmud nicht bei קטנים denselben Grund an wie bei פסולי עדות (vgl. die gezwungenen Erklärungen in Tosafot und 2 .(שיטה מקובצת) Wie passt der Ausspruch des Eesch Lakisch zu dem Falle, der damit begründet wird? Baschi meint: ״Sowie die Zeugen keine Kaufurkunde unterschreiben, wenn nicht die den Akt vollziehenden Personen, Käufer und Verkäufer, Grossjährige sind, ebenso lässt der Käufer keine minderjährigen Zeugen seine Urkunde unterzeichnen״. — Diese Logik ist mir unbegreiflieh1). Hier wird das vorausgesetzt, was ja erst durch die Urkünde bewiesen werden soll, dass er in der Tat der Käufer des betreffenden Grundstückes ist, was doch, wenn die Zeugen minderjährig waren, nicht bewiesen ist. Ausserdem ist die ganze Folgerung eine falsche. Denn wenn wir von ehrlichen Zeugen präsumieren, dass sie kein falsum begehen und einen Akt von Minderjährigen durch ihre Unterschrift bestätigen, so lässt sich doch nicht eine gleiche Ehrlichkeit resp. Korrektheit von jedem Käufer oder Geldverleiher voraussetzen. Verständlich und klar wird uns die talmudische Diskussion erst dann, wenn wir in den der Baraita in Parenthese vorangestellten Satz קטנים היו anstatt קטנים היינו setzen. היו״, sie, die den Akt vollziehenden Personen, waren minderjährig“, sagen die Zeugen. Danach ist auch in der Baraita eine richtige Gradation vorhanden. Im ersten Falle (אנוסים היינו) sagen die Zeugen, der ganze Akt sei ein falsum; im zweiten Falle (קטנים היו) ist der Akt wohl wahr, aber wegen der Minderjährigkeit der Personen ungiltig; im dritten Falle endlich (פסולי עדות היינו) ist der Akt auch gütig, aber die Zeugen waren unfähig, ihn zu bestätigen. Nach der uns vorliegenden LA. in der Mischna ist קטנים היינו dasselbe wie פסולי עדות היינו. In der Tat fehlen auch in der alten Neapeler Mischna-Ausgabe die Worte קטנים היינו. Der Talmud muss aber wohl auch in der Mischna קטנים gehabt haben, wei *) Begreiflich wird erst der Satz, wenn man hinzu nimmt, was Rasch in dem vorhergehenden mit בשלמא פסולי עדות beginnenden Satze erörtert hat Dazu braucht man aber nicht den Ausspruch des ריש לקיש, wie ja in der Tat Raschi dort auch das קטנים ohne ר״ל erklärt, so dass es scheint, die Bemerkung, welche ^אא״ב געשה בגח beginnt, gehöre gar nicht Raschi an, zumal da sie an Unrechter Stelle steht Vielleicht hatte Raschi eine andere LA. in Talmud«