Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VII. 1909 - 5670 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 368)
- Language
- German
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308 Schwierigkeiten, die sich bei der Erklärung mancher Talmudstellen erheben, annehmen, es habe dem Talmud eine andere LA. in der Mischna Vorgelegen, resp. es habe in der Mischna des Talmuds ein Passus gefehlt, der nachträglich hinzugekommen ist. Wir wollen hierzu einige Beispiele bringen. In Sabbat 78 a findet es Tosafot v. שופכץ auffällig, dass der Talmud seine Frage gegen die Baraita und nicht gegen die Mischna 76 b richtet. Die Schwierigkeit lost sich am einfachsten durch die Annahme, die Worte וכל השופכין ברביעית seien erst später aus der Baraita in die Mischna gekommen und haben dem Talmud in der Mischna nicht vorgelegen. Wenn ferner in Sabbat 76 a und 79 a, sowie in Sucka 17 eine Mischna (Me'ila 4,6) mit ותני עלה, wie eine Tosefta, angeführt wird, so zeigt dies, dass dem Talmud jene Mischna nicht als Mischna Vorgelegen hat. Dieselbe Folgerung kann aus Chullin 72 b gezogen werden, wo neben einer Mischna die Fortsetzung mit ותניא citiert wird, während dies bei uns in Kelim 27, 10 in der Mischna steht. Allerdings hat in Chullin 72 b das Münchener Manuscript ותנן statt ותניא. Das sieht aber wie eine schlechte Correktur aus, da das ותנן ganz überflüssig wäre. Andere LAA. vgl. bei Eabbinovicz daselbst. Wir haben bereits in der Schrift ״die erste Mischna“ S. 30 gezeigt, dass in Abot 2, 10 und 14 Zusätze aus anderen Quellen eingedrungen sind (vgl. jetzt auch מלאכת שלמה daselbst). 6) Es dürfte nach allem Obigen nicht zu gewagt erscheinen, wenn wir zur Erklärung der Talmudstelle Joma 79 a zu einer ähnlichen Conjektur die Zuflucht nehmen. Dort zweifelt B,. Papa, ob das Quantum כותבת הכסה, das in der Mischna steht, mit dem Kern oder ohne denselben zu verstehen ist. Erstaunt bemerken alle Commentatoren, es steht doch in der Mischna (73 b) ausdrücklich: .כמוה וכגרעינתד! Die Erklärungen sind höchst gewunden; und wenn sie auch befriedigend wären, so bliebe noch immer auffallend, warum der Talmud dies nicht bemerkt hat, wieso aus der Mischna die Frage nicht entschieden werden kann. Dies lässt sich m. E. befriedigend nur durch die Annahme erklären, die Worte כמוה וכנרעינתה haben dem babylonischen Talmud in unserer Mischna (ebenso in Kelim 17, 12) nicht Vorgelegen, indem sie erst später1) in die Mischna des Babli gelangt sind. Allerdings *) Später hat R. Papa seinen Zweifel entschieden, wie aus seinen