Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VII. 1909 - 5670 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 303)
- Language
- German
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243 ist leicht möglich, dass die Karäer irgend eine Baraitha vor sich hatten1), welche die Bezeichnung des Rabbi Pincbas ben Jair trug, zu welcher sie aber eine eigene kurze Ergänzung im Yersmass über das ממחרת השבת hinzufügten. Da aber dieser Zusatz schon durch seine Form als untergeschoben zu erkennen war, haben ihn die Kairowaner vielleicht gestrichen, wenn nicht die ganze Erzählung erdichtet ist2). Wenn es den Karäern gelungen ist, sogar die Gelehrten von Kairowan durch die fortwährende Kritik und Deutelei in ihren Anschauungen zu erschüttern, so ist es leicht erklärlich, dass dies auf das gewöhnliche Volk, auf den Typus der עמי, הארץ, sehr schädlich wirken musste. Und in der Tat haben sich viele einreden lassen, dass die Auslegung der Karäer das eigentliche Gesetz der Thora darstelle. Hatten ja die Karäer in manchen Fällen, wie z. B. bezüglich .דעי נדד, noch grössere Verschärfungen auferlegt, als die Überlieferung der Rabbinen sie verlangte. Durch solche Mittel konnten sie das ungelehrte Volk auf ihre Seite ziehen. Sie brachten es sogar zu Wege, eine eigene Mischna zurechtzuschneiden 3 4 5), welche sie selbst bis auf Mose zurückführten, und von der sie behaupteten, Anan habe deren Abschrift aus dem Osten mit gebracht :ענן בא מן המזרח בימי־ אבו נעפר אלמנצור ועמו נוסח המשנה שנעתקה 4מכתיבת ידו של הנביא משה ע״ה). Ein deutliches Beispiel hierfür bietet die Kontroverse über den Satz בל מלאכות שהאשה עושה לבעלה נדה עושה 5לבעלה וגר). Da mussten die Leute von Kairowan eingreifen und, obwohl sie selbst früher manche dieser Gesetzeserschwerungen streng gehandhabt hatten, waren sie nun gezwungen, den Karäern entgegenzutreten und auf den wahren Umfang der überlieferten Gesetze hinzu weisen, um zu zeigen, dass die Strenge, wie ג) Die Karäer waren auch im Besitze von verschiedenen Büchern der Sadduzäer nach der Angabe des Karkasani, siehe Harkavy לקוחת הבתות בישראל bei Grätz׳Rabinowitz III, S. 494, Warschau 1893. Nach Epstein soll die Baraitha des רפב״י das ספר היובלים gewesen sein; vgl. seine Einleitung zum מדרש תדשא in מקדמוניות היהודים Wien 1887 S. IX und אלדד הדני S. 158 Anmerkung 1. 2) Vgl. Harkavy, Studien und Mitteilungen V, 113. 3) Vielleicht hat ihnen eine ähnliche Behauptung von אלדד הרגי als Vorbild gedient. 4) Vgl. Likute Kadmonijot S. 8. 5) Siehe Likute Kadmonijot, Zusätze S. 18; Müller, Responsen der Lehrer des Ostens und Westens, No. 44, vgl. auch Kusari ed. Cassel 111, 49 Jahrbuch J. L. 0. VII. 36