Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VII. 1909 - 5670 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 295)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3486266-3486279--2788-3488708- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
285 Lehre in der Mischna bis zur Zeit des Rabbi und dann im Tal* mud. Zunächst geht er auf die Hauptfrage ein, warum die Manner der grossen Synode nicht ausführlich und deutlich die überlieferte Lehre nach allen Richtungen erklärt hatten. Da antwortet Scherira etwa folgendes: Die unmittelbar aufeinanderfolgenden Generationen hatten wohl eine gut erhaltene Ueberlieferung von den Männern der grossen Synode und brauchten daher gar keine Erklärungen und Deutungen. Da aber die einzelnen Lehrer ihren Schülern die überlieferte Lehre nicht in einem einheitlichen Stile vortrugen, da vielmehr jeder in seiner Art und in seiner Sprache es tat, deswegen bildete sich mit der Zeit eine Verschiedenheit des Ausdrucks und mit ihr auch eine Verschiedenheit der Meinungen, die stets die Vorstufe für allerhand Zweifel waren. Und tatsächlich empfanden dann die späteren Nachkommen das Bedürfnis nach einer autoritativen Erläuterung der überlieferten Lehre, besonders zu Ende des zweiten Tempels, da die Wirren und Verfolgungen Zunahmen und die Lehrer nicht mehr in ihren Schülern die Fortsetzer ihrer Lehre fanden. Da trat Rabbi auf. Er fand, dass die Mischna des Babbi Meir, die eigentlich die des Babbi Akiba ist, und die dieser von seinen ursprünglichen Lehrern übernommen hatte, nnch Ausdrucksweise und Anordnung die vorzüglichste sei. Er begann daher bei seiner Neuordnung des gesamten Lehrstoffes mit dieser Mischna, welche er wegen ihrer Kürze und musterhaften Zusammenstellung als Grundlage für den Unterricht sehr geeignet fand. Er hielt es nur für nötig, manche Fragen hinzuzufügen, die in seinen Tagen aufgetaucht waren, und erklärte alles nach seiner richtigen Auffassung. Deshalb liess er alle anderen Auslegungsweisen und auch manche Streitigkeiten bei Seite, die alle später in der Tosefta und in den Baraitot Aufnahme fanden, von denen die wichtigen im Talmud mit der Einleitung תנו רבנן angeführt werden. Scherira erwähnt auch vorübergehend die Reihenfolge der Generationen der Weisen jener Zeit, er erzählt auch einiges von ihren wichtigen Erlebnissen, aber alles kurz und in fortwährender Beziehung auf die Ueberlieferungsgeschichte, die er nie aus dem Auge verliert. Im Laufe seiner Beantwortung erklärt Scherira wiederholt