Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VII. 1909 - 5670 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 292)
- Language
- German
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232 wissen, wie der Inhalt des Sendschreibens eine solche Auffassung rechtfertigen könnte. Grätz1) skizziert, auf den zweiten Teil des Sendschreibens sich beschränkend, den Inhalt in folgenden kurzen Worten: ״In lichtvoller Darstellung in einem gemischten halb hebräischen halb chaldäischen Stile, gab er — Scherira in seinen! Sendschreiben — überraschende Aufschlüsse über dunkle Partien der jüdisehen Geschichte, Die von ihm aufgezeichnete Chronik der Saburäer und der Geonim ist der Wegweiser für diese Ge- Schichtsepoche. Scherira bewährt sich in diesem geschichtlichen Gutachten als echter Chronikschreiber mit der ganzen Trockenheit, Wahrheit und Zuverlässigkeit eines solchen. Ein historisches Kunstwerk zu erzeugen, war nicht seine Sache, wie überhaupt nicht Sache des mittelalterlichen Geistes. Im Morgen- und Abendlande, unter Arabern, Spaniern, den germanischen Stämmen und Byzantinern war die lebendige Geschichtsschreibung zu einem dürren Skelett von Namen und Jahreszahlen vertrocknet und Scherira schrieb nicht schlechter als seine Zeitgenossen.“ Zu den letzt angeführten Worten bemerkt Rabinowitz2): ״Mit Recht bemerkt Weiss (IV, 164), dass das Sendschreiben vom Gaon Scherira sich besonders ausgezeichnet hervorhebt unter den vielen Annalen, die im Mittelalter bei den anderen Völkern entstanden sind — denn Scherira gibt alle Quellen an, die er benützt hat, und begründet seine Behauptungen durch deutliche Beweise.“ Wir fanden aber diesen Wortlaut bei Weiss nicht, wie ihn Rabinowitz citiert. Bei Weiss selbst lesen wir vielmehr: ״Und diesbezüglich hat seine (Scheriras) Arbeit einen Vorzug vor der des Verfassers von סדר תנאים ואמוראים, denn der letztere gibt seine Ordnung ohne Belege und Quellenangabe, während Scherira stets die Quellen anzeigt, die er benützt hat.“ Weiss spricht also nicht von Annalen der anderen Völker, aber die Tatsache seiner Anerkennung der Zuverlässigkeit Scheriras ist an und für sich richtig. Nach unserer Anschauung, ist diese ganze Auseinandersetzung nicht am Platze. Denn Scherira beabsichtigte ja gar nicht, *) Geschichte der Juden V2, S. 550. *) 1?דברי ימי ישדא, III, 361 Anm. 1.