Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VII. 1909 - 5670 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 215)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3486266-3486279--2708-3488628- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
155 Wohl hat Nehukadnezar Tyrus nicht zerstört, weil er die Stadt zur Herrschaft über das Meer gut genug brauchte. Wohl ist Tyrus nicht unmittelbar nach der Eroberung durch Nebukadnezar zur vollen Bedeutungslosigkeit herabgesunken; das ist erst mehr als 1500 Jahre später geschehen infolge der Eroberung durch die Saracenen zur Zeit der Kreuzzüge. Aber dass Tyrus heute ein unbedeutendes Städtchen, eine schwache Euine früherer, stolzer Grösse darstellt, das hat Nebukadnezar bewirkt. Durch ihn wurde Tyrus als politische Macht vernichtet. Wenn es auch später wieder den Bang einer bedeutungsvollen Handelsstadt er» reicht hat, eine politische Macht ist es seit Nebukadnezars Tagen nicht mehr geworden. Wie schwer die Schläge Babyloniens Tyrus getroffen, beweist uns, dass Tyrus ungefähr fünfzig Jahre später ohne jeden Versuch der Gegenwehr die persische Herrschaft auf sich genommen hat. Der Gedanke, eine eigene Selbständigkeit geltend zu machen, wurde gar nicht erwogen. In der prophetischen Perspektive rücken die Jahrhunderte mit ihren Ereignissen auf einen kleinen Baum zusammen. Was der Prophet geschaut und verkündet hat, vollzog sich, durch Nebukadnezar mit tötlicher, nicht mehr gut zu machender Wirkung eingeleitet, im Laufe von eineinhalb Jahrtausenden. Wie so aber war Nebukadnezar um den Lohn für die Belagerung von Tyrus betrogen? Nun, es geschah, was während der späteren Belagerung durch Alexander wiederum geschah, die Tyrer hatten ihr Hab und Gut, alle ihre Schätze zur See nach den Kolonien gerettet, sodass der Sieger nicht viel fortschleppen konnte« Noch ist es nötig, von einer weiteren Erwähnung von Tyrus bei den Propheten zu sprechen, wenn unsere Darstellung Anspruch auf Vollständigkeit erheben soll. Es ist die Stelle im neunten Kapitel des Propheten Secharjah, des Zeitgenossen des zweiten Tempels Damals trug Tyrus, wie Israel, das Joch der persischen Herr- Schaft, der sich Tyrus ohne jede Gegenwehr, wie wir schon hörten, gebeugt hat. Im dreizehnten Vers dieses Kapitels heisst es: ״Wahrlich ich spanne Jehuda als meinen Bogen, mit Ephrajim (als Pfeilen) fülle ich (meinen Köcher) und erwecke deine Söhne, Zion, gegen deine Kinder, Jawanl Ja, ich mache dich (sc. Zion) zum Schwert des Helden.״ Jawan ist bekanntlich die Bezeich-