Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1910-01-01 · VII. 1909 - 5670 (1910) · page 214

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VII. 1909 - 5670 (1910)
Date
1910-01-01
Page
– (sequence 214)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3486266-3486279--2707-3488627
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

154 ״Ein Schrecken bist du gewesen! Jetzt bist du verschwunden auf ewig!“ (XXVII 25 bis zu Ende). Die Prophetie schliesst also mit der Konstatierung eines gewaltigen, das Leben beherrschenden Gesetzes. Für seine Schadenfreude ist Tyrus bestraft; die Schadenfreude gilt jetzt ihm selber. Es dokumentiert sich das Gesetz der strafenden Gerechtigkeit, das die Weisen Israels in die Worte kleiden: ״Mit dem Masse, mit dem der Mensch misst, wird ihm selber gemessen“. Und wie so oft im Leben der Völker wie der Einzelmenschen trifft auf Tyrus das Sprüchwort zu, dass Hochmut dem Fall voraufgeht. Dreizehn Jahre währte die Belagerung von Tyrus. Unsagbare Anstrengungen kostete es Nebukadnezar, die stolze Meeres־ beherrscherin zu beugen. Hat er sie eingenommen? Ist die Prophetie Ezechiels geschichtliche Wahrheit geworden? Das sind Fragen, die sich uns ohne weiteres auf drängen. Noch einmal spricht Ezechiel zu uns von Tyrus. Es ist im siebenundzwanzigsten Jahre seiner Verbannung, also sechzehn Jahre nach der ersten Verkündigung. Der Prophet spricht von den unge־ heuren Anstrengungen des Heeres Nebukadnezars vor Tyrus; ״jedes Haupt ist glatzig, jeder Rücken geschunden und dennoch ist ihm und seinem Heere kein Lohn vor Tyrus geworden“. Darum verspricht Gott dem Babylonier-König die Eroberung Ägyptens, dessen reiche Schätze ihn und sein Heer entschädigen sollen (XXIX, 17—21). Diese neue Prophetie scheint zunächst die Beantwortung unserer Frage offen zu lassen, ja sogar zu erschweren. Indessen löst sich alles ganz leicht. Es scheint, dass Tyrus nach der langen Belagerung, die es tätlich getroffen hatte, sich schliess- Nebukadnezar freiwillig unterworfen und die Tore geöffnet hat. Die Macht von Tyrus war jedenfalls vollständig gebrochen. Es bekam Herrscher aus Babylonien und musste seine Flotte Nebukadnezar im Feldzug gegen Ägypten zur Verfügung stellen. Seine Kolonien waren ihm in der langen Zeit alle verloren gegangen. Wo in der unmittelbaren Folgezeit in den biblischen Schriften die phönizischen Städte genannt werden, steht nicht mehr Tyrus, sondern Sidon voran, so Esra IH, 7; also auch innerhalb des Heimatlandes hatte es die Vorherrschaft verloren.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.