Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VII. 1909 - 5670 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 212)
- Language
- German
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152 Babylonien wandern musste. Das ist aber kein anderes Jahr als das Jahr 586, in dem Jerusalem zerstört wurde. Der Monat ist nicht angegeben. Aber aus einer späteren Prophetie (XXXIII, 2t—22) erkennen wir, dass Ezechiel am 5. Tebeth des 12. Jahres, also genau nach einem halben Jahr seit Jerusalems Fall, das Ereignis durch einen Flüchtling erfahren hat. Es scheint darum die Prophetie gegen Tyrus im Monat Ab, ״am ersten des Monats,“ d. h. des bekannten Monats, zu dessen Beginn der unvermeidliche Fall Jerusalems schon als Tatsache gelten konnte, gesprochen worden zu sein. Diese Schadenfreude muss nun als um so niederträchtiger gelten und auf den Propheten um so widerwärtiger wirken, als Tyrus es war, das das Reich Juda und seinen König Zidkijah zu einer Koalition gegen die Babylonier aufgereizt hatte. Schon im vierten Regierungsjahr Jojakims hatte der Prophet Jeremias (XXV, 22) Tyrus nebst allen klein- und vorderasiatischen Völkern zugerufen, sie müssten den Taumelbecher trinken, d. h. sie müssten sich den Chaldäern unterwerfen; sie sollten es freiwillig tun; dann könnten sie wenigstens in ihrem Lande bleiben. Auch würde die Unterwerfung nur während der Herrschaft Nebukadnezars, seines Sohnes und Enkels dauern. Am Anfang der Regierung Zidkijas lässt er durch die Gesandten von Edom, Moab, Tyrus und Sidon, die am Hofe Zidkijas, offenbar zum Zwecke eines Köalitionsab- Schlusses gegen Nebukadnezar, erschienen sind, den Königen dieser Völker im Namen Gottes nochmals die freiwillige Unterwerfung anempfehlen, die ihnen das Exil ersparen würde. (XXVII.) Aus der römischen Geschichte kennen wir das geflügelte Wort von der Punica fldes, ״der punischen Treue“. Carthago scheint diese hässliche Charaktereigenschaft von der Mutter Tyrus geerbt zu haben. Das jetzige Verhalten entspricht ja auch dem Verhalten aus einer viel früheren Zeit, da der Prophet Arnos (I, 9) über Tyrus den Untergang heraufbeschwört, weil es, uneingedenk der brüderlichen Beziehungen zwischen Tyrus und Israel — man denke an die Zeiten Davids und Salomos — Israel an Edom verraten hatte, wie denn auch in der gegen Israel sich vereinigenden Völkerkoalition im 88. Psalm Tyrus ein Glied bildet* Tyrus blieb also jetzt dem Bunde zwischen Ägypten und Juda gegen Babylonien fern, wiewohl es ihn ange-