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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1910-01-01 · VII. 1909 - 5670 (1910) · page 211

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VII. 1909 - 5670 (1910)
Date
1910-01-01
Page
– (sequence 211)
Language
German
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151 in der Hand deiner Durchbohrer. Wie Unreine wirst da sterben durch Fremder Hand; wahrlich ich habe gesprochen, das ist der Ausspruch meines Herrn, des Ewigen.“ (Ezechiel XXVIII, 2—10.) So schildert Ezechiel diesen sich selbstvergötternden Hochmut und Frevelmut des Königs Ithobaal H. von Tyrus. Aber auch eine Kinoh, ein Klagelied, stimmt der Prophet im Namen Gottes über diesen dem Sturz geweihten König an. Die Propheten sind die Repräsentanten des Einheitsgedankens der Gesamtmenschheit, die Herolde eines kosmopolitischen Interesses. Darum verursacht das Schicksal des dem Sturze geweihten fremden Königs dem Propheten Schmerz. Freilich durchzieht dieses Klagelied der Ton einer Mischung von Schmerz und Ironie zugleich. Diese Ironie aber ergibt sich lediglich aus der Wiedergabe der Überschätzung seines Wesens und seiner Würde, deren sich Ithobaal II. schuldig gemacht hat. Der Prophet nennt ihn ״das Siegel des Ebenmasses, Fülle der Weisheit, Ausbund der Schönheit.“ (V. 12.) Irdische Bilder reichen nicht mehr aus, um das Wesen dieser sich selbst vergötternden Phantasie und die Pracht des raffinierten Luxus dieses Königs darzustellen. Das Paradies mit seinem Glanz und seinem Schmuck ist das Bild der überschwenglichen Prachtentfaltung des tyrischen Königspalastes, der König selber ein himmlischer Cherub mit weit ausgebreiteten, schützenden Flügeln. (V. 13, 14.) Die tragische Wendung zur Erniedrigung, zum Unglück und schmachvollen Tod ergibt sich aus dem schwindelerregenden Zuwachs an Reichtum und Macht. ״Durch die Fülle deines Handels wurde dein Inneres voll von Frevel und du versündigtest dich. Da stiess ich dich hinweg vom Götterberg, beseitigte dich, du schützender Cherub, aus dem Umkreis der feurigen Steine.“ (V. 16.) Das ist die Schilderung des tyrischen Hochmuts bei Ezechiel. Für Ezechiel aber kam gegenüber den Beweggründen des Jesaias noch ein neues Moment hinzu, sich so eingehend mit Tyrus zu befassen. Dieses weitere Moment ist die unverhüllte, offenkundige Schadenfreude, die Tyrus im Jahre 586 über den Untergang Jerusalems durch Nebukadnezar äusserte, eine Schadenfreude, die durch die Hoffnung auf vermehrten Handels-Gewinn noch eine gewaltige Steigerung erfuhr. Denn die Prophetie gegen Tyrus ist vom 11. Jahr der Gefangennahme des Königs Jojachin datiert (Ezechiel XXVI, 1.), da Ezechiel mit in die Verbannung nach

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