Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VII. 1909 - 5670 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 209)
- Language
- German
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14ö sass unter seinen Weinstock und unter seinem Feigenbaum/ so zeigt dieser Bericht Ezechiels unmittelbar vor dem Zusammenbruch des jüdischen Staatslebens und der ersten Diaspora, dass Juda ein bodenständiges, ackerbautreibendes Yolk geblieben ist. Aus dem Propheten Jesaias wissen wir bereits, dass allerdings der Hauptlieferant von Getreide Ägypten war; die reiche Ernte des vom Nilschlamm gesegneten Tieflandes wurde durch tyrischen Zwischenhandel allüberallhin geleitet. Noch lange haben wir keine erschöpfende Kenntnis von dem reichen Inhalt tyrischer Magazine und Speicher. Die Dedaniten, ein Yolk am persischen Golf, füllen dieselben mit prachtvollen Satteldecken zum Reiten. Die Nomadenstämme Arabiens, die Kedar vor allem, verkaufen nach Tyrus Lämmer, Widder und Böcke. Südarabien (Wedan, Jawan und Usal) versehen die tyrisehen Kaufleute mit schon gehämmertem Eisen, mit Kassia und Gewürz-Rohr. Seba und Raama, gleichfalls arabische Völker״־ Stämme, erscheinen mit Balsam, Edelsteinen und Gold. Den Zug der Lieferanten bei Ezechiel beschliessen die mesopotamischen Völker und Städte, die Anwohner des Euphrat und Tigris. Sechs Namen werden uns genannt: Haran (Abrahams Heimat), Kalne, Eden, Saba, Aschur und Kilmad. Sie bringen nach Tyrus stark gewundene Schiffstaue, gestreifte Decken, Buntstickereien, Prachtkleider und Purpur-Mäntel (V. 12—24). Es setzt uns bei dieser Aufzählung nicht nur die Reichhaitigkeit des tyrischen Warenverzeichnisses, dessen sich gewiss auch eine moderne Handelsstadt nicht zu schämen hätte, in Staunen, sondern auch die Ausdehnung seiner Handelsbeziehungen, seine Verbindung mit allen Völkern in Ost und West und Nord und Süd. Wir fragen nun: Wann und zu welchem Zweck schildert uns der Prophet Ezechiel die ganze Schönheit von Tyrus, die Grossartigkeit und gewaltige Ausdehnung seines Handels? Welche innere Beziehung besteht dabei zu der logischen Eigenart des Prophetenberufes überhaupt und seinem religiös-sittlichen Charakter? Gemeinsame Gefahren und gemeinsame Leiden, so sehr dieselben auch die Kraft der Verbindung haben mögen, reichen allein zur Erklärung nicht aus, warum gerade diese Stadt so sehr das Interesse der frühere!! Propheten, vor allem aber Ezechiels erweckt,