Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VII. 1909 - 5670 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 206)
- Language
- German
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anlegen, da die Angriffe der Assyrer es daran hinderten. Alle diese Ereignisse fallen ins Ende des 8. Jahrhunderts, in dieselbe Zeit, in der auch das Reich Israel zerstört wurde. Ungefähr fünfzig Jahre später beginnt Tyrus dieselbe verblendete und verkehrte Politik, die auch das Reich Israel und Juda zu Fall gebracht hat; es schliesst sich an Ägypten an. Sofort zieht Asarhaddon gegen Tyrus und belagert es; wiederum trotzt Tyrus der Eroberung. Aber Asurbanipal schneidet in neuer Belagerung zu Wasser und zu Lande Tyrus die Nahrungsmittel ab und unterbindet seinen Handel. Tyrus unterwirft sich freiwillig, sendet dem assyrischen Grosskönig seine Töchter und Enkelinnen für seinen Harem und seinen Sohn Jahimilki, den dieser grossmütig zurückschickt. Auf diese Ereignisse mag sich, entgegen der oben mitgeteilten Anschauung, des Propheten Jesaias Verkündigung beziehen, zumal jetzt Cypern von Tyrus abfällt und auch in Tarschisch eine einheimische Dynastie zur Herrschaft gelangt, lauter Punkte, die mit dem Inhalt jener Verkündigung übereinstimmen. Trotz alledem ist Tyrus noch nicht ein Mal erobert worden. Die assyrischen Könige begnügten sich mit seiner Unterwerfung. Das wird anders, als die Babylonier das assyrische Weltreich zertrümmerten und selber die Weltherrschaft antraten. Nebukadnezar, der Zerstörer Jerusalems, ist mit der Unterwerfung nicht zufrieden; er besteht auf Eroberung und Zerstörung. Woher hat nun eigentlich Tyrus die Kraft gewonnen, solchen Angriffen zu widerstehen und trotz gewaltiger Schläge immer wieder zu Blüte, Kraft und Reichtum zu gelangen? Neben seiner günstigen insularen Lage ist es sein Handel, dem es solche Kraft verdankte. Ungeheurer Reichtum war in Tyrus aufgestapelt. Er war die Frucht des Welthandels, der in Tyrus zusammenfloss und den uns der Prophet Ezechiel anschaulich zu unserem stets wachsenden Erstaunen schildert. Ezechiel schildert Tyrus, die Stadt der Schiffe, selber unter dem Bild eines gewaltigen Schiffes; er gibt uns die Stoffe an, woraus dieses Schiff gezimmert ist, er zählt die Fracht auf, die auf diesem Schiff zusammengehäuft unseren Blicken sich darbietet, und er nennt uns alle Städte und Länder, die zur Herstellung des Schiffes und zu seiner Befrachtung beitragen. Es ist das ein