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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1910-01-01 · VII. 1909 - 5670 (1910) · page 205

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VII. 1909 - 5670 (1910)
Date
1910-01-01
Page
– (sequence 205)
Language
German
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145 An und für sich hatte Tyrus schon in der ältesten Zeit eine an Wechselfällen reiche Geschichte und schon lange vor Nebukadnezar hatte es mehrere Belagerungen durch die assyrisehen Könige auszuhalten. Die Assyrer erstrebten als Ziel ihrer Eroberungen die Herr־ schaft über das mittelländische Meer. Wenn sie das erreichen wollten, so mussten sie Tyrus niederwerfen. Den ersten Versuch hiezu berichten uns die assyrischen Denkmäler von dem König Asurnasirpal im Jahre 867. Die phönizischen Städte, vor allem Sidon, Tyrus, Byblos und Arwad, erscheinen unter seinen Tributären. Sie waren durch reiche Geschenke einem Angriff zuvorgekommen. Dasselbe wiederholt sich 842 und 839 unter Salmanassar II. Dessen Enkel Rammannirari spricht von einer Unterwerfung von Tyrus im Jahre 803. Von dieser Zeit an geht es mit der assyrischen Herrschaft abwärts; Phönizien hat fünfzig Jahre Ruhe, bis Tiglat Pileser auftritt, dem Tyrus schon im Jahre 740 Tribut zahlen muss, ganz besonders aber im Jahre 728, nachdem ein assyrisches Heer direkt gegen Tyrus gezogen war. Nicht weniger als 150 Talente betrug die zu zahlende Summe, genau so viel, als alle anderen Staaten zusammen zahlten. Das sind ungeführ 500000 Mark, eine für jene Zeit erstaunliche Summe. Mit Tiglat Pileser sind wir in die Zeit des Jesaias eingetreten. Noch zu Jesaias’ Zeiten, nach Josephus (Antiquit. IX, 14, 2) durch Salmanassar IV., hat Tyrus eine fünfjährige Belagerung auszuhalten. Sie hat Tyrus grosse Wunden beigebracht und schwere Schäden verursacht; aber erobern konnten die ' Assyrer Tyrus nicht. Sie suchten die Stadt dadurch zu bezwingen, dass sie ihr durch Besetzung der Wasserleitung das Trinkwasser abschnitten; die Tyrer errichteten darum künstliche Brunnen. Den Assyrern fehlte eine Flotte. Sie zwangen deshalb die anderen phönizischen Städte, ihnen sechzig Schiffe zur Verfügung zu stellen. Tyrus aber gewann mit nur zwölf Schiffen einen vollständigen Sieg über die erdrückende Übermacht. Trotz alledem wurde Tyrus gedemlitigt. Sein König Eluläus musste nach Cypern fliehen; die Assyrer drängten ihm einen König auf. Die Vorherrschaft über die übrigen phönizischen Städte verlor Tyrus, und seine Kolonien begannen, sich selbständig zu machen. Neue Kolonien konnte es schon seit der Gründung Karthagos im Jahre 846 nicht mehr 10 Jahrbuch J. L. 0. VII.

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