Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VII. 1909 - 5670 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 203)
- Language
- German
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148 Unterbrechen wir zunächst die Prophetie, um uns ein Bild dieser Schilderung zu verschaffen. Tyrische Schiffe hatten das mittelländische Meer durchquert; nach Tarsis waren sie gefahren. Sie befinden sich auf der .Rückreise, machen eben auf der letzten Station, der Kolonie Cypern, Halt. Da hören sie, dass ihre Stadt zerstört ist, dass es eine Heimkehr für sie nicht gibt. Was Wunder, dass der Prophet zunächst sie selber zur Wehklage auffordert! Er wendet sich dann Tyrus zu und regt es zu schmerzvollem Verstummen an. NicA|t sieht es mehr in seinen Hafen sidonisclie Schiffe einfahren, die gleich ihm die Meere durchquerten und die zerstörte Stadt mit allen Kaufartikeln füllten, wie ja auch Sidons Söhne es gegründet haben. Nun wird Sidon ermahnt, zu weinen und zu klagen, da die Tochter jammert; es wäre, als hätte sie nie geboren, da ihre Söhne und Töchter alle hingemordet sind. Und in die allgemeine Klage stimmt ganz besonders Ägypten ein; denn sein Getreide-Reichtum, gezeugt an den Ufern des Nil, wartet jetzt vergeblich auf die Ausfuhr. Verarmung hat Ägypten nun zu fürchten, aber auch Vernichtung, nachdem das mächtige Bollwerk gegen den von Norden vordringenden Feind gefallen ist. Der Prophet fährt fort, indem er andeutet, dass den überlebenden Tyrern nichts anderes übrig bleiben wird, als die allerdings zwecklose Flucht nach den Kolonien: ״Ziehet hinüber nach Tarschisch, jammert, Bewohner des Eilands! Konnte euch solches geschehen, du Übermütige, deren Ursprung in der Vorzeit Tage zurückreicht, die ihre Füsse forttrugen, in der Ferne zu weilen? Wer hat das beratschlagt gegen Tyrus, die Kronenspenderin, deren Kaufleute Fürsten, deren Krämer die Vornehmen der Erde? Der Ewige der Heerscharen hat es beschlossen, zu entweihen den Hochmut jeglichen Glanzes, zu verunehren alle Vornehmen des Landes.“ (V. 6—9.) Eine grosse Gefahr droht Tyrus nach dem Eintritt des vom Propheten vorausgeschauten Unglücks. Seine Kolonien werden von ihm abfallen. Der Prophet kündigt diese Gefahr an: ״Durchflute dein Land dem Nil gleich, Tochter Tarschischs; kein Gurt beengt dich mehr. Seine Hand hatte es ausgestreckt über das Meer, hatte Königreiche erschüttert. Jetzt hat der Ewige betreffs Kenaans geboten, seine Festen zu zerstören und gesprochen: Nun sollst du nicht mehr triumphieren, Geschändete,