Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VII. 1909 - 5670 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 202)
- Language
- German
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142 düng immer grösser und fester geworden, so dass heute beide Stadtteile ein Ganzes bilden. Inseltyrus besass zwei geschützte, ausserordentlich günstig gelegene Häfen; der eine, der sogenannte sidonische Hafen, befand sich im Nordosten, während der ägyptische im Süd westen der Insel sich befand. Diese Häfen waren für die Entwicklung des Handels ganz besonders bedeutungsvoll. Tyrus war tatsächlich der Hauptstapelplatz für die Waren der ganzen Welt, der Repräsentant des Welthandels. Seine Macht und sein Reichtum wuchs ins Unermessliche. Dieser Macht und diesem Reichtum entsprach aber auch der Übermut und die Überhebung beim Volke ebenso wie beim König. Man hielt sich für unüberwindlich, allen Völkern an Klugheit und Kraft überlegen. Mit diesem Hochmut paarte sich eine unermessliche Habgier, die niemals trotz stets sich steigernden Reichtums irgendwie Genüge fand. Diese Verirrungen und sittlichen Ausartungen, die der Prophet Jesaias auch bei seinem Volk zu tadeln hat — man braucht nur das V. Kapitel seines Buches zu lesen! — sind es, die ihn seinen Blick auf Tyrus werfen lassen. Er verkündet den Untergang, wenigstens die zeitweise Bestrafung dieser hochmütigen, Gott entfremdeten Macht durch den als Rächer auftretenden einzigen Gott und er hofit, durch diesen Hinweis und diese Straf- Verkündigung vor allem sein Volk zu bessern. Es ist derselbe Feind, vor dem Tyrus erzittern muss, wie Israel. Aschur oder Babel ist es, die Gott als Zuchtrute gegen sein Volk, als Werkzeug der Zerstörung gegen Tyrus aufruft. Mit der ganzen Wucht seiner Kraft, der vollen Erhabenheit seiner Sprache, der unerreichten Plastik und Anschaulichkeit der Darstellung weist Jesaias auf die Zerstörung von Tyrus hin. Hören wir ihn reden: ״Gesicht über Tyrus. Heulet, ihr Schiffe aus Tarschisch׳; denn vernichtet ist die Heimat, es gibt keinen Einzug mehr; im Lande der Chittim wird es ihnen kund. Verstummt, Bewohner des Eilands. Sidonische Händler, Meer befahrende, haben einstens dich gefüllt. Und auf mächtigen Wassern ward des Schi chor Saat, die Ernte des Nil, ihr Eingescheuertes; und es ward ein Handelsplatz der Völker. Schaudere Sidon; denn es spricht das Meer, des Meeres Feste: ״Ich habe nicht gekreisst und nicht geboren, nicht grossgezogen Jünglinge, herangebildet Jungfrauen. So die Kunde nach Ägypten koriimt, winden sie sich beim Gerüchte von Zör.“ (XXHI, 1—5).