Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VII. 1909 - 5670 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 200)
- Language
- German
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140 in jener Zeit im Gegensatz dazu eine ackerbautreibende Bevölkerung, wie wir später aus den von ihm nach Tyrus eingeführten Produkten zu erkennen vermögen. Wir sagten, Tyrus’ Kaufleute seien sehr erfolgreich gewesen. Jesaias nennt (XXIII, 8) Tyrus eine Kronenspenderin, seine Kaufleute Fürsten, seine Krämer die Vornehmsten der Erde. Tyrus hat nach all den zahlreichen Kolonien seine eigenen Geschlechter als Herrscher verpflanzt. Sie nahmen dort fürstliche Stellung ein. Durch sie wurde der Zusammenhang und Zusammenhalt mit der Mutterstadt bewirkt und durch Jahrhunderte gepflegt. Gewiss in ganz später Zeit fehlt es in den Kolonien nicht an Unabhängigkeitsgelüsten und an Versuchen, sich zu befreien. Auch bei Jesaias (XXIII, 10—12) kann man das erkennen. Allein selbst in sehr später Zeit, so bei der Belagerung der Stadt durch Alexander im Jahre 833, erschienen nach dem Bericht bei Curtius (IV. Buch Kap. 2,10 und 11) karthagische Gesandte, um der Mutterstadt Hilfe in Aussicht zu stellen, und als das infolge eigener Bedrängnis nicht mehr möglich war, brachten sie wenigstens die Schätze der Stadt, sowie die Frauen und Kinder nach Karthago in Sicherheit. So wurde Alexander, wie schon früher Nebukadnezar, im wesentlichen um die Beute von Tyrus betrogen (Curtius, III. B. Kap. 3, 19—20). Die Lage von Tyrus war eine ganz eigentümliche. Tyrus zerfällt in zwei Teile; der eine liegt auf dem Festland und wird Palätyrus oder Alttyrus genannt. Dieser Teil der Stadt ist der unbedeutendere. Der wichtigere ist Inseltyrus; dieser Teil lag auf einem vom Festland getrennten, ungefähr 1200 Schritte entfernten Felsen. Von dieser Lage auf einem Felsen hat Tyrus seinen Namen; denn צור, wie Tyrus in der Bibel und auch heute noch heisst (Sür), bedeutet ״Felsen״. Wiegen seiner Insellage wird Tyrus in den Propheten 'א ein ״Eilanda genannt. Diese Insel selber war durch einen Kanal in zwei Teile geteilt. Auf dem südwestlichen Stadtteil lag das berühmte National-Heiligtum des Melkart. Dieser Name bedeutet ״ מלך קרתאKönig der Stadt“. Der zweite Teil dieses zusammengesetzten Wortes liegt auch dem Namen Karthago zu Grunde, welches ״ קרתא חדתdie neue Stadt“ heisst. Dieses Heiligtum nennen die Griechen den Tempel des Herakles. (Curtius IV. B. Kap. 2 Anfang.) Tatsächlich ist Melkart kein anderer als Baal, jener Götze, dessen Namen wir in