Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VII. 1909 - 5670 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 197)
- Language
- German
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Tyrus in der Schilderung der Propheten. Ein Vortrag von Distriktsrabbiner Dr. Salotnon Stein in Schweinfurt. Die Geschichte der Stadt Tyrus darf, wie wir glauben, wohl ein allgemeines Interesse in Anspruch nehmen; denn Tyrus ist die bedeutendste Handelsstadt der alten Welt. Ja, es ist noch viel mehr. Es ist eine Handelsmacht, ein gewaltiger politischer Faktor während vieler Jahrhunderte. Tyrus wagt es, den Grossmachten der Assyrer, Babylonier und Ägypter Trotz zu bieten und behauptet sich ihnen gegenüber mit einer beispiellosen Zähigkeit und nicht zu überbietenden. Ausdauer. Und was uns noch mehr in Staunen zu setzen und mit Bewunderung zu erfüllen geeignet ist, ist der Umstand, dass selbst die von ihm gegründeten Kolonien, genau so wie die Mutterstadt, Machtfaktoren ersten Banges sind, die ihrerseits den Entscheidungskampf wegen der Vorherrschaft über Welt und Meer mit den Bivalen aufzunehmen den Mut und die Kraft besitzen. Carthago, so ziemlich die jüngste Kolonie von Tyrus, gegründet ums Jahr 846 vor der jetzigen Zeitrechnung, macht Bom die Weltherrschaft streitig. Ein ganzes Jahrhundert zittert die gewaltige römische Bepublik vor der Bivalin und der Schreckensruf ״Hannibal ante portas“ lässt einen Bückschluss zu auf die materiellen und physischen Machtmittel, auf die gewaltige Energie dieser jüngsten Tochter der Mutter Tyrus. Trotzdem oder vielleicht gerade wegen dieses mit Beeht vorausgesetzten allgemeinsten Interesses würde die Geschichte von Tyrus nicht als ein berechtigtes Vortrags-Thema in einem Verein für jüdische Geschichte und Literatur genannt werden Jahrbuch J. L. G. VII. 9*