Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VII. 1909 - 5670 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 186)
- Language
- German
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126 uns hier der Anschauungen, die Hartmann an anderer Stelle kundgibt, wo er die charakteristische Äusserung tut, die übrigen Völker schienen nach jüdisch-israelitischer Auffassung nur zu dem Zweck geschaffen zu sein, um vom Volke Israel entweder ausgerottet und ausgeraubt, oder aber ausgebeutet zu werden. Um die Emanzipation, sagt Hartmann weiter, die keine rechtliche Verpflichtung, sondern eine ״freie Leistung“ des deutschen Volkes auf Grund humanerer Anschauungen gewesen sei, zu verdienen, müssten die Juden ihr Stammesgefühl aufgeben. Auf die Bernerkungen Hartmanns über den Anteil der Juden an Wissenschaft, Kunst und Presse und die zum Teil nicht unberechtigten Ausführungen über die Frivolität mancher jüdischer Journalisten kann ich hier nicht näher eingehen. Ein Grundirrtum Hartmanns aber ist es, wenn er die Emanzipation als eine freie Leistung des deutschen Volkes bezeichnet. Er vergisst dabei, dass es auch gewisse Gesetze der historischen Entwicklung gibt; und die Emanzipation war kein Geschenk des Volkes, sondern ein Produkt dieser historischen Entwicklung, eine wenn auch langsam herangereifte Frucht der französischen Revolution. Zudem darf auch nicht ausser acht gelassen werden, dass die Juden sich $n den Freiheitskriegen aktiv beteiligt uud dass sie dadurch auch schon ein gewisses Recht auf die Gewährung der Emanzipation erworben hatten. Was aber die Ausführungen Hartmanns über das Streben der Juden nach einer tatsächlichen Weltherrschaft betrifft, so sind das lediglich Hirngespinste. Und wenn er meint, im Judentum ordne jeder sein Sonderinteresse dem Gesamtinteresse unter, so wäre das sehr schön, wenn es wahr wäre. Tatsächlich fehlt gerade bei sehr vielen Juden das Verantwortungsgefühl für die Gesamtheit, und sie bedenken häufig nicht, dass die Taten jedes einzelnen der Gesamtheit zur Last gelegt werden. Hartmann will den Juden die Taufe nicht zumuten, da ja doch heutzutage kaum jemand das Christentum aus Überzeugung annehmen könne; aber er meint, der Staat solle die Bildung einer konfessionslosen Übergangs- Schicht, die in dem Reformjudentum bereits angebahnt sei, begiinstigen, dann würde das Judentum nach und nach schmerzlos aus dem Staatskörper verschwinden. Hartmann ist also der allerdings unbestreitbaren Ansicht, die Judenfrage werde dann gelöst sein, wenn die Juden zu existieren auf gehört haben werden.