Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VII. 1909 - 5670 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 185)
- Language
- German
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125 politischen Schrift: ״Das Judentum in Gegenwart und Zukunft* zur Geltung. Hartmann will darin die Gründe des Judenhasses blosslegen und die Mittel angeben, durch welche die Judenfrage zu lösen sei. Als Ursache für die instinktive Abneigung der niederen Volkschichten bezeichnet er in erster Linie die Tatsache der jüdischen Nationalität. Die Juden, sagt er, sind semitischen Ursprungs, und es fehlt ihnen nur der jüdische Staat mit jüdischem Landgebiet, um in demselben Sinne eine Nationalität zu repräsentieren, wie die Italiener und Franzosen. Es treten aber dazu noch Antipathieen sozialer, religiöser, politischer und Wirtschaftlicher Art. Dazu rechnet er gewisse Züge der Entartung und Verkümmerung, die durch körperliche und geistige Erziehung beseitigt werden müssten. Als die wichtigsten religiösen Differenzpunkte, welche die Juden beseitigen müssten, erscheinen ihm der Sabbath, die Speisegesetze und die hebräische Sprache als Kultsprache wobei er nur die Tatsache vergisst, dass der Antisemitismus in Deutschland wieder lebendig zu werden begann, als ein grosser Teil der deutschen Juden auf dem Wege war, mit diesen religiösen Differenzpunkten radikal aufzuräumen. Den idealen Kern der Judenfrage aber erkennt er in dem Überwiegen des Stammesgefühls über das deutsche Nationalgefühl, und dieses Überwiegen hinwiederum hat seinen Grund in dem jüdischen Solidaritätsbewusstein. Der Einzelne ordne stets seine Interessen denen des Gesamtjudentums unter, und das Streben des letzteren sei auf eine Weltherrschaft gerichtet. Diese groteske Annahme von dem Streben nach irdischer Weltherrschaft, das Hartmann schon in seinem religionsphilosophischen Werk als einen integrierenden Bestandteil des jüdisch-religiösen Bewusstseins bezeichnete, zieht sich auch hier wie ein roter Faden durch alle seine Ausführungen. Das Judentum ist ihm eine internationale Freimaurerei, und die Alliance israelite universelle die embryonale Anlage für die Zentralregierung der zukünftigen jüdischen Weltherrschaft. Das jüdische Solidaritätsbewusstsein aber habe zur Folge, dass die Juden die ״Wirtsvölker“ — dies ist sein stehender Ausdruck — ausbeuten; denn kein Volk der Welt lässt sich durch Bedenken und Skrupel, die aus der Privatmoral geschöpft sind, abhalten, die anderen Völker wirtschaftlich auszubeuten, solange diese dumm und schwach genug sind, sich ausbeuten zu lassen. Wir erinnern