Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VII. 1909 - 5670 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 187)
- Language
- German
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-127 Die Antipathie Hartmanns gegen alles Jüdische, sein Mangel an Objektivität, wo es sich um die Bewertung des Judentums und seiner kulturellen Bedeutung handelt, tritt noch schärfer hervor, wenn wir seine Art der Beurteilung des Germanentums und seiner religiösen Gestaltungskraft damit vergleichen. Während er beim Judentum alles zu verkleinern sucht und auch beim Erhabensten wenigstens eine schlechte Quelle nachzuweisen bemüht ist, wird hier alles in dem Himmel gehoben. Hartmann sagt: ״Die germanische Beligion würde ohne Zweifel zu einer weit höheren Entwicklungsstufe gelangt sein, wenn die Germanen einige Jahrhunderte früher Deutschland besetzt und daselbst eigene Kultur- Staaten gegründet hätten; was uns jetzt vorliegt, darf nicht anders beurteilt werden, als etwa die hellenische Beligion es dürfte, wenn sie aus äusseren Gründen mit der homerischen Entwicklungs- Periode abschlösse. Dass sie trotzdem so reich ist an Keimen, so eigenartig ausgeprägt, so tief und bedeutungsreich, das spricht am besten dafür, wie grosse Anlagen in diesem Volksstamm schlummerten, und wieviel mehr derselbe bei ungehindertem Ausleben aus seiner Beligion gemacht haben würde. Die Gefahr liegt nahe, in die vorhandenen Keime zuviel hineinzulegen, und doch darf man diese Gefahr nicht scheuen, wenn man sich nicht der Deutung der germanischen Mythologie gänzlich entziehen und dadurch sich einer historischen Ungerechtigkeit gegen dieselbe schuldig machen will.“ Also: Aus der germanischen Beligion ist nicht viel geworden, deshalb muss man sich bemühen, die Keime, aus denen etwas hätte werden können, in das rechte Licht zu stellen; der jüdische Monotheismus hat die Kulturentwicklung der Menschheit tatsächlich in gewaltigem Masse beeinflusst, und deshalb sucht Hartmann diesen Monotheismus aus dem Zufall, aus partikularer Beschränktheit und religiöser Intoleranz herzuleiten. — Es ist tief bedauerlich zu sehen, dass gerade die hervorragendsten Vertreter der deutschen Philosophie, Fichte, Schopenhauer, ja auch der grosse Kant, sich in einen feindseligen Gegensatz zum Judentum gestellt haben, dass sie zu der äusseren Zurücksetzung, die der jüdische Stamm allenthalben zu erdulden hat, auch noch die Verunglimpfung und Herabsetzung seines geis־ tigen Besitztums gefügt haben. Uns kann das allerdings in unserer