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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1910-01-01 · VII. 1909 - 5670 (1910) · page 182

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VII. 1909 - 5670 (1910)
Date
1910-01-01
Page
– (sequence 182)
Language
German
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122 bezeichnet. Ungehörig ist es allerdings von den Verfassern dieser Psalmen, dass sie das ganze Hartmannsche System wie ein Kartenhaus zusammenwerfen. Es fehlt bei Hartmann jede objektive Würdigung des Judentums und seiner Leistungen für die Kultürentwicklung der Menschheit. Das Gute, das nicht wegzüleugnen ist, muss immer entweder von einer schlechten Wurzel seinen Ursprung genommen haben oder es müssen dabei schlechte Ziele beabsichtigt gewesen sein. Und doch sagt Hartmann selbst, es scheine der Durchgang durch die Stufe des Theismus das einzige Mittel zu sein, um zur vollständigen geschichtlichen Überwindung der Vielgötterei zu gelangen. Derselbe Mangel aii Objektivität zeigt sich bei der Beurteilung des späteren Judentums. Die Wiederherstellung des jüdischen Gemeinwesens unter Cyrus war ihm das Werk von Fanatikern und Priestern. Er muss allerdings anerkennen, dass dieses Werk herrliche Früchte getragen hat, und bei der Gharakterisierung des Judentums, wie es sich in den literarischen Erscheinungen vor der Entstehung des Christentums darstellt, sagt er: ״Wohltätigkeit und Familiensinn, Arbeitsamkeit und Streben nach Bildung und Mehrung der Erkenntnis sind die schönsten Züge des Judentums, die ihm auch für die Folge treugeblieben sind und durch die es noch heute den Völkern, unter denen es wohnt* als Muster und Vorbild nützlich werden kann. Sie sind es gewesen* die diesen kleinen Stamm vergrössert und vor dem Untergang bewahrt haben.“ Er gibt auch zu, dass im Mosaismus der allein gesunde sozialethische Grundsatz festgehalten ist, dass man zwar den unrechttuenden Bruder nicht hassen dürfe, dass man ihn aber strafen, d. h. durch Ermahnung zurechtweisen müsse, damit man nicht durch Unterlassung der schuldigen sittliehen Beeinflussung des Nächsten eine Mitschuld an seinem Unrecht auf sich lade. Aber diese Anerkennung wird durch die Herab- Setzung der Motive und der praktischen Gestaltung der moralisehen Grundsätze zum grossen Teil wieder aufgehoben. Die jüdische Wohltätigkeit ist von einer kaum anderswo, erreichten Grossartigkeit; aber sie wird zu einem rechnungsmässigen Ge- Schaft, zu einer, wie er sich äüsdrückt, Assekuranzprämie, die der Wohlhabende bei der himmlischen Versicherungsanstalt ein-

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