Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VII. 1909 - 5670 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 181)
- Language
- German
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121 seine Liebe und seine Gastfreundschaft allen Menschen, auch Heiden, zuwandte. Und wenn in der Thora und bei den Propheten immer wieder auf diesen Abraham als den ersten Verkünder des Glaubens an den einzigen Gott hingewiesen wird, so muss doch die Art, wie Abraham seinen Glauben betätigte, eben als das Ideal erschienen sein. Die Behauptung von der Falschheit und Hinterlist gegen die Feinde widerlegt sich schon durch die früher erwähnte Begebenheit zwischen Josua und den Gibeoniten, und wenn von Hass gegen andere Völker die Bede ist, so ist dies immer im Zusammenhang mit dem Götzendienst dieser Völker der Fall. Hartmann führt als Beweis für die Vorschrift des Hasses gegen die anderen Völker die Stelle im zweiten Buch Moses, 34, 10—17 an. Wenn man aber die Stelle nachschlägt, so findet man, dass dort lediglich von der Zerstörung der Götzenhaine und Götzenbilder dieser Völker die Bede ist. Und wenn Hartmann sagt, das Bechtsgefühl sei auch bei den Propheten national beschränkt, so ist das einfach nicht wahr; man vergleiche nur die eine Stelle in Amos (2, 1) wo es heisst: ״So spricht der Herr: Für drei Sünden Moabs und für vier kann ich ihm nicht vergeben, weil sie die Gebeine des Königs von Edom zu Kalk verbrannt.“ Es wird also hier die Gerechtigkeit als etwas ganz Allgemeines hingestellt, was auch zwischen den Völkern zu bestehen hat; denn es wird ja hier die Ungerechtigkeit des einen Volkes gegen das andere gerügt. Hartmann muss zwar zugeben, dass, wie er sich ausdrückt, bei den Propheten zuerst die Ahnung aufdämmert, dass das Heroentum des Geistes höher steht, als das Heroentum der rohen Kraft; aber er spricht ihnen doch wieder jedes Verständnis dafür ab, dass das Martyrium des Heroentums eine ewige Wahrheit ist, dass also die Freudigkeit in dem Kampfe für Gott unabhängig ist von jeder Hoffnung auf Belohnung. Aber das jüdische Volk hat, meine ich, genugsam in seiner Geschichte den Beweis geliefert für dieses Verständnis; und woher kam es ihm, wenn nicht aus seiner Lehre und seinen Propheten? Bei dieser Auffassung sind Hartmann natürlich die sogenannten Buss• psalmen, in welchen, wie er selbst sagt, die religiöse Innigkeit des sittlichen Vertiefungsstrebens ihren klassischen Ausdruck findet, höchst unbequem. Er hilft sich aber hier in geradezu klassischerWeise, indem er sie als ״systemwidrige Ungehörigkeiten“