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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1910-01-01 · VII. 1909 - 5670 (1910) · page 180

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VII. 1909 - 5670 (1910)
Date
1910-01-01
Page
– (sequence 180)
Language
German
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120 manismus werden über die israelitische Anschauungsweise gestellt; denn dort werde das irdische Gottesreich nur als Mittel betrachtet zur Erfüllung eines transzendenten religiösen Zweckes, bei den Propheten dagegen habe der religiöse Ehrgeiz kein anderes Ziel, als dem Volke und seiner Nationalreligion die Weltherrschaft und die mit derselben verknüpften weltlichen Güter zu verschaffen. Ja, der Traum voij. der irdischen Weltherrschaft Israels über alle Völker sei ein wesentliches Moment des spezifisch religiösen Bewusstseins geblieben und könne nur mit dem Judentum selbst untergehen. Man braucht nur die eine charakteristische Stelle aus Jesaia über das Gottesreich zu betrachten, um diese Expektorationen Hartmanns richtig zu würdigen: ״Es wird sein am Ende der Tage, da wird fest gegründet sein der Berg des Hauses Gottes über allen Bergen, und er wird erhaben sein über die Hügel, und es werden ihm Zuströmen alle Völker. Und viele Völker werden gehen und sprechen: Kommet, wir wollen hinaufziehen auf den Berg des Ewigen zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns lehre von seinen Wegen, auf dass wir wandeln in seinen Pfaden; denn von Zion geht die Lehre aus und das Wort Gottes von Jerusalem.“ Das sind die ״irdischen Vorteile“ des Gottesreiches für Israel. Aber diese Auffassung von dem Streben Israels nach der Weltherrschaft ist bei Hartmann zu einer fixen Idee geworden, mit der wir uns später noch zu beschäftigen haben werden. Durchaus tendenziös und einseitig ist auch die Behauptung, der sittliche Kardinalbegriff der Propheten sei lediglich der der Gerechtigkeit, und diese selbst sei nur Vertragstreue. Gottes Gerechtigkeit bestehe also darin, dass er die Glieder des Bundes- Volkes und die Fremden mit ungleichem Masse misst, dass er gegen seine Freunde gütig, wahrhaft, treu, langmütig und mitleidig, gegen deren Feinde aber grimmig, falsch, hinterlistig und erbarmungslos ist, ganz wie es dem sittlichen Volksbewusstsein jener Zeit entsprach. ״Von Abraham an bis zur Prophetenzeit“, sagt Hartmann, ״ist die ganze Geschichte Israels nur ein fortlaufender Beweis dieser Behauptung.“ Merkwürdigerweise wird gerade von Abraham erzählt, dass er für die sündigen Sodomiter betete und dabei den Ausdruck gebraucht, ״der Richter der ganzen Erde, sollte er nicht Gerechtigkeit üben“, und dass er überhaupt

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