Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VII. 1909 - 5670 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 179)
- Language
- German
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1id und haben hur die Erhaltung seines Werkes bezw. des Gottesgesetzes angestrebt. Aber auch objektiv betrachtet, ist die Erscheinung des Prophetismus etwas Gewaltiges, und ich fahre zum Beweis dafür, wie unbefangene christliche Beurteiler das Prophetentum Israels charakterisieren, die Worte an, die Professor Oornill an den Schluss seiner Vorlesungen über den Prophetismus setzt : ״Die Geschichte der gesamten Menschheit hat nichts hervorgebracht, was sich auch nur entfernt mit dem israelitischen Prophetismus vergleichen Hesse: durch seinen Prophetismus ist Israel der Prophet der Menschheit geworden. Möchte doch das niemals übersehen und vergessen werden: das Köstlichste und Edelste, das die Menschheit besitzt, sie verdankt es Israel und dem israeUtischen Prophetismus.“ Bei Hartmann stellt sich die Sache ganz anders. Er betont von vornherein, man dürfe das Werk der Propheten im Vergleich zu den gleichzeitigen Leistungen anderer Völker nicht überschätzen. Die Geistigkeit, welche die Propheten Gott zuschreiben, sei weit entfernt von dem Begriff der Immaterialität; auch von einer Absolutheit Gottes sei noch immer keine Rede. Zwar werde Gott als der Schöpfer des Hirnmels und der Erde bezeichnet, das steht zu deutlich, als dass man es leugnen könnte; aber von einer Schöpfung aus Nichts sei doch nicht deutlich die Rede. Es ist hier einfach lächerlich, wie Hartmann von den Propheten, die doch keine religionsphilosophischen Abhandlungen geschrieben haben, die ausdrückliche Betonung solcher philosophischen Begriffe verlangen kann. Er gibt selbst zu, dass bei den Propheten eine andersartige Stellung Gottes gegen Raum und Zeit im Vergleich zu der seiner Geschöpfe zum Ausdruck gelangt. Und wenn es schon in dem Weihegebet Salomos heisst: ״Siehe, die Himmel und die Himmel der Himmel können dich nicht fassen, um wieviel mehr dieses Haus, das ich gebaut habe?“, wenn in den Psalmen gesagt wird: ״Bevor die Berge geboren wurden und du kreisen Hessest die Erde und das Erdenrund, und von Ewigkeit bis Ewigkeit bist Du Gott“; wenn Jesaia ausruft: ״Ich bin der erste und ich bin der letzte und ausser mir ist kein Gott“; wie soll denn die Erhabenheit Gottes über Raum und Zeit, also seine Absolutheit und Immaterialität noch deutHcher, noch prägnanter hervorgehoben werden? — Aber es ist eben hier alles Tendenz. Das Ägyptertum und der Brah-