Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1910-01-01 · VII. 1909 - 5670 (1910) · page 178

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VII. 1909 - 5670 (1910)
Date
1910-01-01
Page
– (sequence 178)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3486266-3486279--2671-3488591
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

11B Merkwürdig ist auch die Art, wie sich Hartmann die Entstehung des Monotheismus denkt. Er ist nach ihm ein reines Zafallsprodukt. Zufällig gelang es einem erobernden Könige, David Israel für kurze Zeit zu einer Grossmacht zu machen, was weder der Grösse noch der Bedeutung des israelitischen Stammes entsprach. ״Nachdem aber diese Überhebung einmal gelungen war, liess sich der widerspruchsvolle Grossmachtskitzel aus diesem Völkchen nicht mehr austreiben; der Glaube sass fest, dass, was einmal möglich gewesen war, auch wieder möglich sein müsse, und aus diesem beständigen Widerspruch zwischen Erwartung und Erfüllung entsprang die eigentümliche Beligion dieses Volkes.“ Wäre Israel als Provinz einem semititischen Grossstaat eingegliedert gewesen, so wäre ein Götterpantheon entstanden wie in Griechenland und Ägypten: es war, wie er sagt, ״die partikularistische Beschränktheit und landschaftliche Enge des nationalen Gesichtskreises, welche diese Entwicklung verhinderte, ebenso wie die Dürftigkeit und Enge des Phantasiehorizonts eine autochthone Ausgestaltung der religiösen Objekte nicht hatte zustande kommen lassen.“ Es ist die Armut des religiösen Vorstellungskreises, welche das ganze verfügbare Mass von religiöser Vergeistigung und Versittlichung auf eine Gestalt zu konzentrieren nötigt. Kann man sich, so muss man angesichts solcher Wissenschaft fragen, eine tendenziösere Ausdeutung der geschichtlichen Entwicklung vorstellen, als sie uns hier geliefert wird? Dass die An- Behauung einer einzigen Gottheit die höherstehende ist, kann man nicht leugnen; so muss wenigstens die Wurzel, aus der sie hervorgegangen, als etwas Inferiores hingestellt werden. — Es kommt dabei unserem Autor auch nicht darauf an, sich selbst zu widersprechen. Einer der Gründe für die zunehmende Ausschliesslichkeit des Kultus des einen Gottes ist ihm die zunehmende religiöse Intoleranz und die den anderen Völkern feindselige Gesinnung: und auf derselben Seite spricht er davon, dass die Könige eine weitherzige Toleranz übten, welche der Gesinnung der überwiegenden Volksmehrheit entsprach. Ebenso einseitig und tendenziös ist das Urteil Hartmanns über den Prophetismus. Für den gläubigen Juden ist der Prophetismus eine Erscheinung des Monotheismus und nur aus diesem heraus zu verstehen; die Propheten sind die Nachfolger Moses’

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.