Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VII. 1909 - 5670 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 177)
- Language
- German
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m dass das Götzenbild in eben diesem Gotteshaus aufgestellt war. Unbequem ist es, dass der Tempel, den Salomo errichtete, vollkommen bildlos war. Das ist, wie Hartmann meint, schwer zu glauben und er vermutet deshalb ohne den geringsten Anhaltspunkt, dass vielleicht ein geflügelter Stier dort verehrt wurde. Er hätte ebensogut behaupten können, dass die heiligen Katzen der Ägypter dort verehrt wurden. — Bezeichnend ist auch die Behauptung, der Ausdruck der Liebe Gottes gegen sein Volk komme erst nach dem Exil vor, aber auch nur, um ihn sofort durch den Hass gegen die anderen Völker zu ergänzen. Man begreift kaum, wie ein ernster Forscher die Tatsachen so fälschen kann. Denn Aussprüche wie der des Propheten Hosea: ״Ich gelobe dich mir an durch Beeht und Gerechtigkeit, durch Liebe und Barmherzigkeit“: oder: ״Ein Knabe war Israel und ich liebte es, und von Ägypten her nannte ich es Sohn“; oder das Wort Michas: ״Er hat dir verkündigt, 0 Mensch, was gut ist, und was verlangt der Ewige, dein Gott, von dir, nur recht zu tun, Liebe zu üben und in Demut zu wandeln vor deinem Gotte“, müssen doch jedem, der sich nicht absichtlich der Wahrheit verschliesst, die Haltlosigkeit jener Behauptung dartun. — Dieselbe Art exakter Forschung zeigt sich in der Schilderung der Eigenschaften des alten Israel. ״Hinterlist und Lüge gegen den Feind waren selbstverständlich“. Man vergleiche damit den Vorgang, der uns im Buche Josua erzählt wird, wo die Gibeoniten Josua täuschen, als ob sie aus fernem Lande gekommen wären, sodass man mit ihnen ein Bündnis schliesst. Und als dann der Betrug offenbar wurde, da sagten die Fürsten: ״Wir haben ihnen geschworen bei dem Ewigen, dem Gotte Israels, und nun dürfen wir sie nicht berühren“. Also Heilighaltung des gegebenen Wortes auch gegenüber dem Feinde, der sie überlistet. — Nach Hartmann waren die Israeliten ein händelsüchtiges, blutdürstiges, rachsüchtiges Volk. Die Quellen allerdings berichten uns fast immer nur von Verteidigungskriegen Israels, und im Königsbuche (I, 20, 31) wird uns ein charakteristischer Ausspruch der Diener des aramäischen Königs Benhadad überliefert, der nach einer Niederlage sich der Gnade des israelitischen Königs an vertrauen soll, weil die jüdischen Könige als mitleidig und erbarmungsvoll bekannt seien.