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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1910-01-01 · VII. 1909 - 5670 (1910) · page 176

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VII. 1909 - 5670 (1910)
Date
1910-01-01
Page
– (sequence 176)
Language
German
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116 jeder Mensch auch iiTseiner wissenschaftlichen Forschung von den ihm angeborenen und anerzogenen Anschauungen und Empfindungen bis zu einem gewissen Grade abhängig bleibt. Das Schema der Entwicklung/ die Hartmann bei anderen Völkern annimmt, wird natürlich auch auf Israel angewendet. In der Urzeit wird eine Periode des Götzendienstes angenommen. Dafür sind zwar Belegstellen schwer zu finden, und die angeführten sind merkwürdig genug. So wird z. B. aus der Bemerkung des Propheten Ezechiel, dass Gott die Israeliten schon in Ägypten ermahnt hätte, vom Götzendienst abzulassen und nicht den Göttern Ägyptens nachzuhängen, gefolgert, dass die Israeliten vor der Gewinnung fester Wohnsitze von einem einzigen Gotte nichts gewusst hätten und von Herzen an den Göttern ihrer Väter hingen. Aber Hartmann hilft sich über den Mangel an Beweisstellen damit hinweg, dass wohl die späteren tendenziösen Redaktoren der biblischen Bücher die Zeugnisse gegen die geschichtliche Wahrheit ihrer Angaben verwischt hätten. Mit dieser Methode, die Hartmann mit den Entwicklungstheoretikern Wellhausen, Stade und anderen gemeinsam hat, lässt sich selbstverständlich alles beweisen, und es wird dementsprechend auch behauptet, die Israeliten hätten dem von ihnen in erster Linie verehrten Sonnengotte auch Menschenopfer dargebracht, ״obwohl die spätere Opposition der Propheten alle dahingehenden Berichte zu unterdrücken bemüht gewesen ist“. Wenn Gott bei der Anbetung des goldenen Kalbes oder des Peor gebietet, dass die Götzendiener den Tod erleiden sollen, so gebietet er nach Hartmann Menschenopfer im grössten Massstabe, nur nicht mehr durch Feuer. Nach dieser Theorie sind die Menschenopfer auch heute noch nicht abgeschafft, da ja auch die civilisiertesten Völker heute noch Kriege führen und Hinrichtungen ausführen lassen. Unbequem ist allerdings, dass die Thora das Verbrennen der Söhne und Töchter den Götzen zu Ehren als Greuel auf das Schärfste brandmarkt; aber das geschieht, meint Hartmann, nur, weil es zu sehr an den Molochkultus erinnert. Dass der erstgeborene Sohn dem *Dienste Gottes geweiht werden soll, wird ebenfalls als ein Opfer aufgefasst. Weil Micha sich ein Götzenbild machte und weil im Richterbuche erzählt wird, dieses Götzenbild hätte der Stamm Dan verehrt, solange das Gotteshaus in Schiloh war, wird schlankweg gefolgert.

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