Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VII. 1909 - 5670 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 174)
- Language
- German
- Belongs to
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114 des Antisemitismus beigetragen. Und es ist interessant zu sehen, wie diese politische Schrift beherrscht ist von den Ideen, die Hartmann in seinem religionswissenschaftlichen Werk über Juden und Judentum äussert, wie die Vorurteile gegen semitisches Wesen und gegen die jüdische Rasse für ihn gegenüber den Juden des 19. Jahrhunderts ganz dieselben bleiben, wie gegen ihre Ahnen, die zweitausend Jahre früher lebten. Das Buch erlangte innerhalb weniger Wochen eine ausserordentliche Verbreitung, und einzelne Aussprüche daraus sind in den Sprachschatz des antisemitischen Lexikons übergegangen. ׳■ , ׳ Eduard v. Hartmann ist zweifellos einer der bedeutendsten Philosophen unserer Zeit, und die Lobeserhebungen, die ihm, als er vor zwei Jahren starb, in den Nachrufen gewidmet wurden, waren nicht unverdient. Sein System nennt er ״Die Philosophie des Unbewussten״. Hartmann ist Pantheist; er ist aber nicht, wie Schopenhauer, materialistischer, sondern spiritualistischer . Pantheist. Was hinter der Erscheinungswelt als das Wesen der Dinge verborgen ist, ist Geist, aber unbewusst wirkender Geist. Das Bewusstsein ist ein Attribut des menschlichen Geistes, obwohl auch in diesem die unbewussten Vorstellungen überwiegen; denn abgesehen von den von dem Willen des Menschen unabhängigen mechanischen Vorgängen im menschlichen Körper, wie der Blutzirkulation und der Verdauung, werden auch die willkürlichen Tätigkeiten, wie zum Beispiel das Gehen oder die Handbewegungen beim Ergreifen eines Gegenstandes, zum grossen Teil nach vernünftigen Gesetzen, aber ohne bewussten Willen ausgeführt. Das Weltall im ganzen ist überall von unbewusstem Geist erfüllt, der ebenso im Wachstum der Pflanzen, wie in der zweckmässigen Einrichtung der Natur sich äussert. Dieses sein System hat Hartmann über alle Zweige des menschlichen Erkennens durchgeführt. Der religions-philosophische Teil, worin er die Grundzüge einer Zukunftsreligion, wie sie ihm vorschwebt, .ausfuhrt, trägt den Titel ״Die Religion des Geistes“, und die historische Grundlage für dieses Werk bildet die Abhandlung über ״das religiöse Bewusstsein der Menschheit im Stufengang seiner Entwicklung״. An diesem Buche interessiert uns naturgemäss am meisten der Abschnitt, der vom Judentum handelt, das selbstverständlich nach Hartmanu auch nur ein Glied in