Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VII. 1909 - 5670 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 173)
- Language
- German
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Eduard von Hartmann und das Judentum. Ein Vortrag. Von Dr. Isak Unna, Rabbiner in Mannheim. Wissenschaft und Leben stehen in beständiger Wechsel- Wirkung. Nicht nur, dass die Ergebnisse der Naturwissenschaften für das Leben nutzbar gemacht werden, dass man bei jeder Entdeckung eines neuen Gesetzes fragt, wie es praktisch angewendet, wie es zur Förderung der menschlichen Wohlfahrt und des manschliehen Genusses verwertet werden kann; auch die Strömungen, die in den sogenannten Geisteswissenschaften herrschen, äussern ihren Einfluss auf das menschliche Handeln, üben eine kulturfördernde oder kulturhemmende Wirkung aus auf das Leben. Es ist das eine Wahrheit, die sehr oft verkannt wird, die sich aber dem tiefer Blickenden, der nicht bei der Oberfläche der Erscheinungen stehen bleibt, unwiderstehlich aufdrängt. Ein klassisches Beispiel bietet uns die Betrachtung der Lehren eines Mannes, der auf das deutsche Geistesleben einen grossen Einfluss ausgeübt hat und noch ausübt, Eduards von Hartmann; bei ihm können wir deutlich sehen, wie seine theoretischen Anschauungen über das Judentum — und diese wollen wir hier etwas näher ins Auge fassen — auch,in der Praxis ihre Wirkung äussern. Hartmann hat sich über das Judentum als Religion und dabei auch über die Juden als Volk ausführlich geäussert in seinem Buche: ״Das religiöse Bewusstsein der Menschheit im Stufengang seiner Ent Wicklung“. Er hat aber auch in das Getriebe des politischen Lebens eingegriffen und hat zu Anfang der achtziger Jahre, als sich der Antisemitismus in Deutschland wieder zu regen begann, mit seiner Schrift: ״DasJudentum in Gegenwartunil Zukunft“ grosses Aufsehen erregt und nicht unwesentlich zur Förderung Jahrbuch J. L. G. VII. 8 י.