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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1910-01-01 · VII. 1909 - 5670 (1910) · page 138

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VII. 1909 - 5670 (1910)
Date
1910-01-01
Page
– (sequence 138)
Language
German
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8ז Historiker wie Georg Liebe, der doch gewiss den Juden nichts an Schlechtigkeiten schenkt und den Hass gegen Lippold ״in seinen Wurzeln gerecht“ nennt, kann doch nicht umhin, die Beschuldigung des Giftmordes als eine ״sinnlose“ zu bezeichnen3). * * * Werfen wir zum Schlüsse noch einen Rückblick auf das mittelalterliche Kulturbild, oder besser Unkulturbild, welches in diesem Buche dargestellt wurde, so müssen wir unwillkürlich daran denken, in welch besserer, hellerer Zeit wir heute leben. Aufklärung ist das Losungswort des Jahrhunderts, und jeder Tag fast bringt uns neue Errungenschaften der Kultur und des Fort- Schrittes. Gleichwohl darf man sich nicht verhehlen, dass Reste der alten Unkultur auch heute noch zurückgeblieben sind. Wohin wir auch blicken mögen, auf allen Gebieten können wir Elemente des Rückschritts und der Finsternis wahrnehmen. Verborgen lauert in der Menschenbrust der Trieb zum Geheimnisvollen; abergläubische Vorstellungen, die einst zu so furchtbaren Taten führten, herrschen auch heute noch; Vorurteile und verhängnisvolle Anschauungen treiben am hellen Tage ihr Wesen, vergiften die Gemüter und reizen auf zum Hass und zu offener oder versteckter Gewalttat. Da dürfte denn einem Bilde, wie dem hier entworfenen, die erweiterte Bedeutung zukommen, dass es der Gegenwart den Spiegel der Vergangenheit vorhält und ihr an Vorgängen des Mittelalters, die sich doch in einer Periode kultureller Finsternis abspielten, zeigt, wie weit auch sie, die gepriesene und erleuchtete Gegenwart, von den letzten Höhen der Kultur noch entfernt ist und wie sehr die Einsichtigen und Guten aller Stände und Bekenntnisse Zusammenarbeiten müssen, um jene hohe Sehnsucht zu verwirklichen, deren Ausdruck dem grossen Dichter auf den im Tode erblassenden Lippen schwebte: ״Licht! Mehr Licht!“ ף Liebe: Das Judentum in der deutschen Vergangenheit, S. 88:

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