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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1910-01-01 · VII. 1909 - 5670 (1910) · page 137

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VII. 1909 - 5670 (1910)
Date
1910-01-01
Page
– (sequence 137)
Language
German
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77 Unter die judenfeindlichen Behandlungen der Geschichte Lippolds muss auch die Darstellung gerechnet werden, die W y - king in seinem Büchlein ״die Juden Berlins“ gegeben. Aber die Tendenz dieses angeblich wissenschaftlichen Werkes ist eine in allen Teilen so total antisemitische, dass es ein Wunder wäre, wenn der Autor Lippold Gerechtigkeit widerfahren Hesse. Ihm steht Lippolds Schuld nach jeder Richtung hin fest. Ob Lippold die Ermordung des Kurfürsten beabsichtigte, lässt er dahingestellt; aber er spricht die Vermutung aus, Lippold habe sich die Gunst seines Herrn durch Zaubertränke zu erhalten gesucht und hierbei einmal die Dosis so stark genommen, dass sie totlieh wirkte. Endlich sei noch erwähnt ein ״Lippold, der Hofjude“ betiteltes Schauspiel in fünf Aufzügen, welches im Jahre 1884 in Berlin anonym erschienen ist. Die Tendenz dieses Schauspiels kennzeichnet sich schon durch dasM.otto, das es an seiner Spitze trägt, einen Vers, welchen Luther vom Juden gebraucht: ״Gross Macht und viel List sein grausam Rüstung ist“. Der Autor dieses Machwerkes gestattet sich eine durchaus freie Behandlung des Gegenstandes. In abgeschmackterWeise flicht er eine Liebesgeschichte ein zwischen einer Tochter Lippolds und einem Christliehen Hauptmann. Lippold vergiftet den Kurfürsten auf offener Szene und wird von Johann Georg zum Tode durch den Strang verurteilt 1). Wenn wir von diesen wenigen *Beispielen vorurteilsvoller Darstellung absehen, so können wir, wie gesagt, Lippolds Unschuld als allgemein anerkannt bezeichnen. Holtzes besonnene Urteile haben wir öfter hervorgehoben. Die wahrhaft ernste Ge- Schichtsschreibung betrachtet den Gedanken von Lippolds Schuld als undiskutierbar, und hält es bei der Erwähnung des Todes Joachims IL nicht einmal für der Mühe wert, auch nur den Namen Lippolds zu nennen. Stölzel bezeichnet ohne Bedenken als die Todesursache des Kurfürsten einen Schlaganfall 2), und selbst ein *) Es ist nicht zu leugnen, dass die Geschichte Lippolds den Stoff zu einem Drama abgeben könnte. Auch Schwebe! (a. a. O. S 455) nennt Lippold eine ״Dramatische Figur von grossem Wurfe.“ 2) Stölzel: Rechtsverwaltung und Rechtsverfassung in Brandenburg. Preussen I, S. 221.

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