Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VII. 1909 - 5670 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 131)
- Language
- German
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71 sondern auch als Betrüger hingestellt, der ״mit der Einnahme undCassa unrecht gehandelt“1). Ja, die Ermordung des Kurfürsten wird sogar damit begründet, dass ״dieser Bösewicht, der bey der Einnahme nicht richtig gehandelt, dadurch der geforderten Rechnung zu entgehen vermeinte“ 2). Es werden also aus der Phantasie der Chronisten heraus Zusammenhänge konstruiert, für die in den Quellen keinerlei Spuren vorhanden sind 3). Der erste, der eine weitere Oeffentlichkeit auf die XI n - schuldLippolds hinwies und die Leichtfertigkeit nachdrücklieh geisselte, mit der die ״Chronikschreiber“ die Beschuldigung des Fürstenmordes gegen Lippold überliefert hatten, war kein Geringerer als Moses Mendelssohn. Er, der seine Lebensaufgabe darin erblickte, seine Glaubensbrüder aus der Knechtschaft des Mittelalters zu befreien, und der, von dieser Aufgabe durchdrangen, mit der Fackel seines grossen Geistes in manchen düsteren Winkel hineinleuchtete — er liess auch den vielverlästerten Lippold zu seinem historischen Rechte kommen. In der Einleitung zu seiner Übersetzung der Schrift ״Rettung der Juden“ von ״Manasse ben Israel“ spricht Mendelssohn mit Worten der Entrüstung von den Vorurteilen und Verleumdungen, denen die Juden ausgesetzt seien. Als typisches Beispiel führt er die Geschichte Lippolds an, den man nach den Angaben der Chronisten für den Mörder Joachims II. halten müsse, und doch sei diese Angabe nichts anderes, als eine Legende4). Mendelssohn stützt sich hierbei auf die Schilderung, welche kurz vorher (1781) der Leibmedikus M ö h s e n im zweiten Bande seiner ״Geschichte der *) Rentsch: Brandenburgischer Cedemhain, Baireuth 1683, S- 460. 2) Abel: Preussische und brandenburgische Staatshistorie 1, S. 122. Buchholz: Die Kurmark Brandenburg II, S. 445 nennt Lippold einen ״Gaudieb“. 8) Als Kuriosität sei der folgende geschmackvolle Vers erwähnt, den eine anonyme Geschichte Joachims 11. am Schlüsse bringt: »Durch Mord und Gift bedeckt mich dieser Trauer Hain, »Der Jude treibt den Geist hin zu des Herren Auen. »Ein allgemeiner Satz soll diese Lehre sein: ״Man soll dem nimmermehr, der Christum hasset, trauen« Vgl. Schneider: Schriften des Ver. f. Ge schd. St. B., Heft 8, S. 63. 4) Moses Mendelssohns Schriften, herausgegeben von Brasch 11, S. 480 ff.