Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VII. 1909 - 5670 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 129)
- Language
- German
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6ä würdigen Historien allen frommen Christen zu gut yndWarnung, Auff das sie sieh für solchen blut-Egeln desto fiirderlicher wissen zu hüten, in Reimen1) gestellt und an tag geben“. Das RiW zeigt links unten Lippold auf einem Wagen liegend, wie er mit glühenden Zangen gerissen wird, rechts unten wie er gerädert wird, während in der Mitte oben die entsetzliche Schlächtereiszene wiedergegeben ist. Dieses Mittelbild trägt die Umschrift: ״Discite Justiciam moniti et non temnere Christum. Omnis anima, quae fecerit abominationem hanc, cradicabitur“, das in der Mitte unten befindliche Bildnis Lippolds aber in griechischer Sprache den Vers: ״Wandle der Billigkeit Pfad, denn Übermut fället den Stolzen!“ Auch hier ist in den ״Reimen“ von Lippolds angeblicher Unzucht die Rede, die er mit Christenweibern getrieben. Es> ist also klar, aus welchen Quellen der Chronist Angelus die oben (S. 20) bereits erwähnte Beschuldigung schöpfte, dass Lippold einen Teil seines Gewinnstes in den Armen christlicher Schönen verprasst habe. Einen besonnenen Standpunkt nimmt von den zeitgenössischen Chronisten nur der nüchterne Beelitzer Pfarrer Creusing ein, der in seiner ״Märkischen Fürstenchronik“ das Gerede, das sich an den Tod Joachims H. knüpfte, mit der Bemerkung abtut: ״Von Sr. Churf. Gn. Todt hatt man erschröckliche und wunderliehe Dinge gesagt. Aber weil das gemeine Volk gern Lust hat, übel von Ihrer Herrschaft zu reden und viel auch deshalb ertichtet oder Ihm zusetzen pflegt, so soll man billig glauben denen, so dabey gewest und davon öffentlich geschrieben haben“ *). Aber dieser kritisch veranlagte Pfarrer war ein weisser Rabe. Im ף Die hier erwähnten, dem Bilde beigegeberien Reime, die nicht nur von Lippold, sondern auch von angeblichen Schandtaten anderer Juden erzählen und bis zum Jahre 575 zurückgreifen, sind bis jetzt noch nicht veröffentlicht. Wir geben dieselben in Beilage XIII wieder. Der Kupferdruck liegt in der kgl. Hof- und Staatsbibliothek zu München (Einblattdruck 11,14). Herr Rabbiner Dr. F i n k e 1 s ch e r e r in München hat sich der Mühe unterzogen, für mich eine Abschrift der Reime herzustetlen, wofür ich ihm auch an dieser Stelle herzlichen Dank sage. Das Bild selbst ist öfter abgedruckt, so in Berners ״Geschichte des preussischen Staates“, auch in Liebes Monographie: ״Das Judentum in der deutschen Vergangenheit.“ 2) Schriften des Vereins für Gesch. d. St. B. Heft 23, S. 169.