Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VII. 1909 - 5670 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 128)
- Language
- German
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68 des Kurfürsten eingestanden habe und dessen bevorstehende Hinrichtung mit einer Art Genugtuung im Voraus beschrieben wird. Röbel schliesst seinen Brief mit der Hoffnung, dass Gott den neuen Kurfürsten vor ״solche leichtfertige bosse Leute“ behüte und dass Lippolds Sache dem Kurfürsten eine Warnung sein werde. Eine nicht minder charakteristische zeitgenössische Aeusserüng haben wir in der Niederschrift zu erblicken, die ein A n 0־ nymu s in die mit dem Jahre 1566 beginnende Chronik der Stadt Brandenburg a. H. (CodexN 5 des Stadtarchivs) eintrug und die den Titel führt: ״Lippoltt Juden Schelmstücken vnnd wie ehr verrichtet worden“. Hier hat bereits die Legendenbildung begonnen. Denn als erster Punkt des Geständnisses, das Lippold abgelegt, ist verzeichnet, dass er mit der Bandelin Unzucht getrieben habe, eine Aussage, von der in den offiziellen Schriftstücken mit keinem Worte die Rede ist.. Im übrigen atmet die Niederschrift denselben finsteren Geist der Verblendung wie die Urgicht selbst1). Endlich ist unter die zeitgenössischen Beurteilungen die interessante bildliche Darstellung zu rechnen, die Lippolds Hinrichtung in einem aus der Offizin des berühmten Leonhard Thurne iss er stammenden Kupferdruck erfahren und die die einzelnen Phasen der Hinrichtung mit drastischer Natnrtreue wiedergibt, zusammen mit einem MedaillonbildnisLippolds, dessen ״hagere, mumienhafte Züge“ uns somit überliefert sind. Die Titelschrift des Bildes lautet: ״Wahrhaftige Abkonterfeyung oder gestalt des angesichts Leupolt Jüden sampt fürbildung derExecution welche an ihme seiner woluer dienten grausamen und unmenschlichenthaten halben so er an dem unschüldigen Christlichen Blut begangen, den 28. Jenners zu Berlyn nach innhalt Göttliches und Kayserliches Rechten vollnzogen worden ist. Daneben kürztlich seine vnd anderer Jüden tiranney so etwan von ihnen wider allemenschlichenAffecten undmitlelden gegen den Christenmenschen geübt, aus glaubl) Siehe den Wortlaut Beilage XII.