Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VII. 1909 - 5670 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 127)
- Language
- German
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67 war (s. oben S. 31 ff.)• Andererseits ist es schwer, anzunehmen, dass Magdalena, wenn sie die Summe wirklich bekommen hat, in ihrem Bittschr eiben dies sollte verschwiegen haben, da sie doch darauf gefasst sein musste, von dem Kurfürsten der Lüge geziehen zu werden 1). Vielleicht hatte der Kurfürst den Befehl zur Aus- Zahlung des Geldes wohl erlassen, die Ausführung des Befehls aber war aus irgend welchen Gründen schliesslich doch unterblieben. Mit diesem Briefwechsel zwischen Kaiser und Kurfürst fand die traurige Sache selbst ihren endgültigen Abschluss, und das Urteil der Geschichte beginnt. 4. Beurteilungen. Das Schreiben Johann Georgs an Kaiser Maximilian ist uns ein willkommenes Zeugnis für die Stellung, die der Kurfürst selbst zu Lippolds Verurteilung einnahm. Es zeigt, dass von dem allgemeinen Aberglauben, der Lippolds unter der Folter eingestandene Zauberwerke für bare Münze nahm, auch das Oberhaupt des Staates nicht frei war und dass auch die Ueberzeugung von Lippolds Schuld — selbst in Bezug auf die Ermordung Joachims — bei ihm feststand. Natürlich, diese Schuld war ja durch ordentlichen Richterspruch erwiesen! Und wenn wir nun daran gehen, einen Blick auf die Beurteilungen zu werfen, die Lippold und seine Sache erfahren hat, um zu erkennen, wie allmählich die Überzeugung von seiner Unschuld sich Bahn brach, so ist die Stellungnahme Johann Georgs typisch für den Geist der Zeitgenossen und für die Aufnahme, die das furchtbare Ereignis bei ihnen fand. Da war keiner, der nicht dem Urteil und seiner Vollstreckung freudig zugestimmt hätte. Schon am 24. Januar 1573, dem Tage, an welchem das Urteil, die ״Branden- - burgische Belehrung“, in Berlin anlangte, richtete der Spandauer Hauptmann Zacharias Röbel das mehrfach erwähnte Schreiben an den Herzog Julius von Braunschweig2). Da erscheint Lippold bereits als der ״v ortzweifelte Bubb e“, der die Vergiftung *) Auch hier hat Wyking die boshaite Bemerkung, Magdalena hätte von dem Kaiser ״Nutzen ziehen wollen“. 2) Siehe den Wortlaut Beilage XI.