Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VII. 1909 - 5670 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 126)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3486266-3486279--2619-3488539- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
66 ihrer Bitte schon soviel belästigt habe. Johann Georg antwortete auf das Schreiben des Kaisers erst am 23. April* *) und betont vor allem Lippolds Verbrechen am Leben seines Vaters, offenbar weil Magdalena in ihrem Bittschreiben merkwürdigerweise dies mit Stillschweigen übergeht und Lippolds Hinrichtung nur als Strafe für angebliche Veruntreuungen bezeichnet. Johann Georg bemerkt, er zweifle nicht, der Kaiser werde ״aus allgemeinen Gerüchten“ vernommen haben, ״wie dieser Bösewichtsjude zu allen anderen seinen Bubenstücken, welche er durch seine teuflischen Künste allhier viele Jahre geübt, meinen Herrn Vater also eingenommen, dass S. Gnaden trotz aller Vorstellungen ihn stets um sich gehabt und ihm ihr Leib und Leben so lange anvertraut, bis er demselben mit einem dazu besonders zubereiteten Tranke endlich davongeholfen.“ Weiterhin bemerkt der Kurfürst, er sei eigentlich berechtigt gewesen, eines solchen Verbrechers ganzes Hab und Gut zu konfiszieren. Nachdem er aus dem Nachlass die Gläubiger Lippolds befriedigt — ״meine armen Untertanen, deren viele er schändlich und böslich ausgewuchert“ — habe er gleichwohl der Witwe mehr als Tausend Taler auszahlen lassen und sie des Landes verwiesen, ״um solches böse Ungeziefer endlich los zu werden“. Sie könne sich also nicht beklagen, sondern solle mit dieser Wohltat zufrieden sein2). Zwischen dieser Antwort des Kurfürsten und dem Bittschreiben Magdalenas klafft ein Widerspruch, dessen Lösung nicht leicht ist. Der Kurfürst behauptet, die Jüdin habe über 1000 Taler, diese selbst behauptet, sie habe nichts bekommen. In der Tat besagt eine Aktennotiz3), von 1066 Talern ״Gold und Geld“, das bei Lippold gefunden war, seien ״der Lippoltin“ auf kurfürstlichen Befehl 750 Taler zugestellt worden, den Rest von 316 Talern an ״Gelde, kleidern, silber und Goldt“ hätten jene Kind3r von Lippolds Bruder bekommen, deren Vormund Lippold früher gewesen 0 Siehe Beilage X. *) Wyking, dessen Buch ״Die Juden Berlins‘4 nach historischen Quellen bearbeitet sein soll, phantasiert hinzu, Johann Georg habe an den Kaiser geschrieben, ״die Judenschaft sei samt und sonders schädliches Geslndel und müsse ausgerottet werden“ (S. 38). ln Wahrheit steht hiervon in den ״historischen Quellen*' keine Silbe. *) St -A.