Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VII. 1909 - 5670 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 122)
- Language
- German
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62 w i 11 1׳ wollten, damit er dadurch die furchtbare Strafe, die ihm be- Vorstand, in eine mildere verwandle. Lippold verschmähte den Verrat an seinem Glauben. Er hat schon durch diese Festigkeit die Fehler seines Lebens vollauf gesühnt, und wir müssen es als gerechtfertigt anerkennen, wenn selbst ein christlicher Chronist von Lippold sagt: ״Dieser Jude verdiente, von seinen Glaubensgenossen als ein achter Märtyrer verehrt zu werden, wenn sie diese Gattungen menschlicher Fantome kenneten, vorzüglich, weil er ein Opfer des Hasses gegen sie und gegen sich selber wurde und als solches litte, ohne es geradehin verdient zu haben“1). Das Ende der furchtbaren Tragödie liess nicht lauge auf sich warten. Man machte mit Lippold schnelle ״Justiz“. Am 17. Januar war Lippolds Geständnis erfolgt, am 24. Januar gelangte bereits das Urteil des Brandenburger Schöppenstuhls nach Berlin2), und am Mittwoch, den 28. Januar 1573, fand seine Vollstreckung statt. Lippold wurde vor ״gehegte Bank“ geführt. Nach mittelalterlichem Verfahren war aber vor Vollstreckung des Urteils ein nochmaliges ausdrückliches Geständnis des Verurteilten erforderlich. Sei es nun, dass Lippold eine Verzögerung des Furchtbaren, das ihm bevorstand, herbeiführen wollte, sei es, dass er auf ein rettendes Wunder, wartete — genug, er bereitete seinen Richtern die Ueberraschung, dass er alle seine früheren Geständnisse widerrief. Der Unglückliche hatte nicht mit der Folter gerechnet. Die Richter mussten ein Geständnis haben. Und so wurde Lippold alsbald nach dem Rathause geführt, wo die Folterkammer sich befand, und er wurde hier von dem Scharfrichter in einer so unmenschlichen Weise gepeinigt, dass ihm das Blut zum Halse herauslief! Sein Widerstand war gebrochen. Lippold erkannte seine früheren Aussagen als richtig an, und nun konnte die Vollstreckung des Urteils endgültig erfolgen. Zuerst wurde Lippold auf einem Karren durch die Strassen Berlins gefahren und dabei an zehn l) König: Versuch einer historischen Schilderung der Residenzstadt Berlin, I., S. 105. *) Ergibt sich aus W.-A. Röbels Schreiben (s. Beilage XI) ist vom 24. Januar datiert und bemerkt ausdrücklich: ״Heute ist das Urteil gekommen“. I