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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1910-01-01 · VII. 1909 - 5670 (1910) · page 121

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VII. 1909 - 5670 (1910)
Date
1910-01-01
Page
– (sequence 121)
Language
German
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61 Notwendigkeit versetzt, die in Wirklichkeit nicht geschehene Tat glaubhaft zu begründen, nur um den Richtern ihre merkwürdige Untersuchung zu erleichtern. Er wusste sicher ganz genau, worauf sie mit dieser Frage hinauswollten• Denn ohne Zweifel hatte man ihm schon in den früheren Stadien der Untersuchung die Aussage des Juden Abraham über die ihm von Lippolds Sohn zugesteckten Wertsachen (s. oben S. 46) vorgehalten und durchblicken lassen, dass er dieselben gestohlen habe. Und so erklärt er jetzt in der Tat, er habe dem Kurfürsten eine Kette im Werte von 750 Kronen1), eine kleinere Kette sowie drei Kleinode gestohlen und, um nicht entdeckt zu werden, den Kurfürsten vergiftet, die gestohlenen Gegenstände aber nebst 3000 Talern an Gold im Keller der Münze vergraben. Lippolds Bitte, ihn ״mit der Pein“ zu verschonen, wurde nur soweit erfüllt, als er alle bisherigen Aussagen ״in der Güte“ machen durfte. Nach Beendigung derselben wurde er aber doch, wie das Protokoll bemerkt, ״mit mässiger Schärfe angegriffen“, d. h. einem massigen Grad der Folter unterworfen, und da er hierbei keines seiner Geständnisse widerrief, so galt nunmehr der Beweis, dass Lippold all der todeswürdigen Verbrechen schuldig, als vollkommen erbracht• Jedoch wurden ihm am folgenden Tage, am 17. Januar, die einzelnen Punkte seines Geständnisses noch einmal vorgelesen. Er räumte auch jetzt die Richtigkeit seiner Aussage ein nnd sprach, er wolle darauf sein Ende beschliessen und wolle wie ein frommer Jude in seinem Glauben sterben! Diese Aeusserung Lippolds lässt wohl den Schluss zu, dass, wie dies im Mittelalter verurteilten Juden gegenüber Sitte war und wie das Beispiel des von einem ähnlichen Schicksal ereilten Süss Oppenheimer ausdrücklich beweist2), auch an Lippold Versuche heran traten, die ihn zur Taufe bestimmen *) Die Chronisten berichten übrigens, dass der Kurfürst Lippold eine grosse Kette gegeben habe, um ״Portugaleser“ (eine Münze) daraus zu prägen, und von diesen Münzen habe der Kurfürst noch am Abend vor seinem Tode einige an die Räte verteilt. Vgl. Chr. Meiemburg: Oratio, Möhsen, a. a. O. S. 519 Note. *) Vgl. den Aufsatz von Kohut im Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur, 1902, S. 134 ff. sowie den von Kroner in der Monatsschrift ״lm deutschen Reich‘* * 1903, S. 37 ff.

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