Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VII. 1909 - 5670 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 120)
- Language
- German
- Belongs to
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60 Brunnen, den man Ostern 1572x) ausschöpfen liess, sei, so berichtet das Protokoll in einer Anmerkung, der Schlüssel auch gefunden worden. Lippold habe aber vorher auf ausdrückliches Befragen den Besitz des Schlüssels abgeleugnet. Nun war es aber ferner den Richtern zu Ohren gekommen, dass Lippold manchmal auch durch verriegelte Türen in die Gemächer gelangt sei! Lippold gesteht dies zu. Sein Abgott habe ihm dabei geholfen; in Menschengestalt und einmal auch in der Gestalt eines schwarzen Hundes sei dieser ״Abgott“ ihm erschienen, und er, Lippold, habe ihm einigemale ein Dankopfer von seinem Leibe, seinem Eopfe und seinen Nägeln dargebracht! Man hat bei solchen Aassagen fast das Gefühl, als hätte Lippold, der nach den unbefangenen geschichtlichen Quellen als eine durch und durch nüchterne Natur erscheint, sich geradezu über seine Richter lustig machen wollen. Er dachte sicherlich, je toller und blödsinniger er seine Aussagen gestaltete, um so eher werde er seine Richter zufrieden stellen. Und diese gaben sich in der Tat mit den haarsträubenden Geschichten zufrieden und steuerten dem letzten Ziele ihrer ״Untersuchung“ entgegen, der Frage nach der Ermordung des Kurfürsten. Auch diese gesteht Lippold zu. Nach den näheren Umständen der Tat gefragt, sagt Lippold aus, er habe den Kurfürsten durch einen Trank vergiftet, in den er ״Muskatnuss, langen Pfeffer, Oel, Hüttenrauch und Mercurium suplimatum“ gemischt. Das letztere starke Gift habe er, trotzdem es sonst von den Apothekern ״losen Leuten und besonders Juden“ nicht verkauft wurde, dennoch unter der Angabe bekommen, dass er es als Münzer brauche, um Gold damit geschmeidig zu machen. Nun schien den Riehtern denn doch ein glaubhaftes Motiv zu der eingestandenen Tat zu fehlen. Es war selbst ihnen unverständlich, dass Lippold seinen Wohltäter solle getötet haben. Und so stellen sie die ausdrückliche Frage, weshalb Lippold seinen eigenen Herrn, ״der ihn wohl leiden können, Ihme auch gnadt und guthes getan, so böslich vom Leben zum Tode gebracht?“ Durch diese Frage nun sah sich Lippold in die eigentümliche *) In der Urkunde heisst es zwar: ״in Osterfeiertagen des vergangenen 73 ihars“, was aber ohne Zweifel ein Schreibfehler ist.