Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VII. 1909 - 5670 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 119)
- Language
- German
- Belongs to
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59 Leute zu gewinnen. Natürlich, es konnte ja auch nicht mit rechten Dingen zugegangen sein, dass Joachim II. den Juden in seiner Nähe geduldet und ihm so viele Zeichen seiner Gnade und seines Vertrauens gegeben! Der Zauberer Lippold musste sich auch diese Gunst seines Herrn durch Hexenwerke errungen haben! In der Tat sagt Lippold aus, es stehe eine solche Kunst in dem Buche und er habe dieselbe wirklich dem verstorbenen Kurfürsten gegenüber angewendet. Er habe dazu Teile von des Kur» fürsten Haaren, Rock und Hosen gebraucht, die er zu Grimnitz vor dem ״kleinen Wendelstein1‘ unter einer Schwelle vergraben habe. Die Richter wollten dann auch noch von einer bestimmten Kunst hören, welche die Juden überhaupt den Christen gegenüber anwendeten und bei der Federkiele gebraucht wurden. Lippold zögert nicht, zu gestehen, es sei ihm eine solche Kunst bekannt, und man brauche dazu zerbrocheneNähnadeln, Pergamentzettel mit Charakteren und anderes. Dies grabe er den Leuten unter der Schwelle ein, und wenn sie darüber hin» gehen, müssen sie verkommen und verdorren und schliesslich sterben. Auf diese Weise habe er Peter Guebicke, der den Jaden sehr feind war, getötet, sowie Urban Kemnitz, weil es ihn verdrossen, dass er ״mit allerhand Wechsel umgegangen“. Mit all dem hatte Lippold Verbrechen eingeräumt, die nach den Gesetzen jener Zeit nur mit dem Tode gesühnt werden konnten. Als Schluss- und Höhepunkt kam dann noch Lippolds genaueres Verhältnis zu Joachim II. sowie dessen Ermordung zur Sprache. Obwohl bereits vorher die Gunst des Kurfürsten durch Zauberwerke Lippolds erklärt war, wollten die Richter doch noch Genaueres über die Frage wissen, auf welche Weise Lippold stets in des Kurfürsten Gemächer habe kommen könn e n. Als ob hiezu die übernatürlichen Künste nicht ausgereicht hätten! Lippold antwortete, er sei allerdings viel ״um den alten Herrn“ gewesen und hätte besonders deshalb leicht Gelegenheit gehabt, in des Kurfürsten Gemach zu kommen, weil er sich den Schlüssel angeeignet, den der Kammerknecht einmal abzu» ziehen vergass. Dieser Schlüssel habe fast zu sämtlichen Türen gepasst. Nach dem Verbleib des Schlüssels gefragt, erwidert Lippold, er habe ihn nach dem Tode des Kurfürsten in dem Haus des Juden Abraham in einen Brunnen geworfen. In diesem