Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VII. 1909 - 5670 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 117)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3486266-3486279--2610-3488530- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
57 bezichtigte sich Lippold wirklicher betrügerischer und unmoralischer Handlungen, die auch nur eine Spur von Glaubwürdigkeit für sich gehabt hätten 1). Er wusste wohl, dass es nur Eines galt: Die Richter zufrieden zu stellen. Daher die wahnsinnig» sten Dinge, mit denen die ״Urgicht“ vollgepfropft ist. Zunächst handelte es sich um das bei Lippold aufgefundene Zauberbuch. Die frühere Aussage, seine Tochter habe das Buch erst vor kurzem gekauft, genügte den Richtern offenbar nicht. Wenn Lippold das Buch erst kurze Zeit besass, so konnte er ja nicht all die Jahre hindurch nach Anweisung dieses Buches jene Zauberwerke vollbracht haben, deren Eingeständnis zunächst erzielt werden musste. Der geängstigte Delinquent hatte es bereits gelernt, den furchtbaren Fragern zu willen zu sein. Und so sagt er jetzt aus, er besitze das Zauberbuch bereits 15 bis 16 Jahre; in Prag habe er es von zwei Juden Namens Smolle und Jakob ״also beschrieben bekommen“2), und er wisse nicht, ob die Beiden noch am Leben seien. In dem Buche sei allerlei geschrieben, Gutes und Böses. Gutes — nämlich gute Krankheitsrezepte und einige alchymistische Sachen. Böses — z. B. wie man ״den Teufel in ein Glas banne“ und andere Künste mehr. Um den Teufel zu bannen, habe er einmal hinter seinem Hause am Wasser bei der Spree um Mitternacht einen grossen. Kreis gemacht, sei in demselben links herumgegangen und habe den Teufel beschworen, zu ihm zu kommen und sich mit ihm zur Erfüllung aller seiner Wünsche zu verbinden. Der Teufel sei wirklich gekommen und habe ihm alles versprochen. Den naiven Riehtern aber schien diese Bereitwilligkeit des Teufels ohne die Annähme einer Gegenleistung unwahrscheinlich. ״Denn“, so heisst es im Protokoll unter Punkt 9, ״das musste ja ein schlimmer Teufel sein, der sich von einem losen Juden ohne grosse Zusage dergestalt bannen Hesse! Was denn er dem Teufel versprochen?“ Hierauf erwiderte Lippold, er habe versprochen, all das mit des Teufels Hilfe auszurichten, was dieser zum Schaden der Leute tun wolle, stets kommen zu wollen, wenn der Teufel es wünsche und sich ihm mit Leib und Leben zu übergeben. Und nun ף Vgl. Hesslein. a. a. O-, S. 527 Note. 2) D. h. wohl, die Beiden hätten ihm das Buch schriftlich angefertigt. Brecht (a. a. O.) falsch : Lippold habe das Buch von den Beiden gekauft.